Verliebt in MV

Leute

Mecklenburg-Vorpommern bietet Menschen aus vielen Ländern eine Heimat. Sie kamen der großen Liebe wegen oder für einen beruflichen Neuanfang. Schnell entdeckten sie die Küsten- und Seenlandschaften, Hanse- und Hafenstädte, das Flair nahezu unberührter Natur – und sie lernten den Charme der „Fischköppe“ schätzen.

Text: Anette Pröber

Liebt nicht nur Fahrräder, sondern engagiert sich fürdie regionale Wirtschaft: Claus Ruhe Madsen. (Bild: Anette Pröber)

Claus Ruhe Madsen (44), aus Dänemark, Inhaber von Wikinger-Möbel und Präsident der IHK zu Rostock

Rennräder sind die Leidenschaft von Claus Ruhe Madsen, Chef des Möbelhauses „Wikinger“in Rostock. Oft steht eines im Büro des aus Kopenhagen stammenden Unternehmers. Zum ersten Mal organisiert er in diesem Jahr ehrenamtlich die traditionelle „Hanse-Tour Sonnenschein“, eine Radfahraktion für schwerstkranke Kinder. Der Däne liebt kreative Unruhe. Als Präsident der IHK zu Rostock engagiert er sich leidenschaftlich für die regionale Wirtschaft. Sein erstes Möbelhaus eröffnete er 1997 in Rostock. Derweil gibt es Naturholzmöbel von „Wikinger“ in Dresden, Berlin, Potsdam und Karnin bei Stralsund. Seine neueste Geschäftsidee: Wohnmobile. Neun Gefährte stehen fahrbereit auf dem Hof. „Ich lade meine Landsleute ein, den Nachbarn Mecklenburg-Vorpommern, on the road‘ zu entdecken.“ Madsen schwärmt vom deutschen Nordosten, der ihm mit seiner finnischen Frau zur Heimat geworden ist.

Javier Román mit seiner Mitarbeiterin Anastasia Musyoka. (Bild: Anette Pröber)

Javier Román (57), aus Nicaragua, Inhaber des „cafeshop especial“ in Wismar und Rostock

„Buenos dias, Senora. 500 Gramm vom Besten?“ Die Lebensfreude von Javier Román, dem „Kaffee-Mann“ von Wismar, ist ansteckend. „In Nicaragua sind viele Menschen arm, aber sie lachen und tanzen.“ Er nimmt seine Frau Manuela (52) in den Arm und dreht sich schwungvoll mit ihr. Seit 2001 besitzt Javier Román im Zentrum der Hansestadt den „cafeshop especial“ mit Kaffeespezialitäten und Schau-Rösterei. Kennengelernt hatten sich der Lateinamerikaner und die Deutsche beim Studium in Moskau. Nach der Hochzeit lebten sie in Nicaragua, zogen später zwei Söhne groß. „1990 wagten wir den Neuanfang in meiner Heimat“, erzählt Manuela Román. Der Start war holprig. Ihr Mann fand keine Arbeit, verdingte sich als ABM-Kraft. „Eine Lebensschule“, sagt er heute. Schwiegermutter Hermine habe ihm geholfen und auch Plattdütsch beigebracht. „Nun bin ich ein erfolgreicher Fischkopp.“

Liebt Stralsund: Paulina Schulz (Bild: Anette Pröber)

Paulina Schulz (44), aus Polen, arbeitet in Stralsund als Autorin, Übersetzerin, Herausgeberin

Im polnischen Pommern 1973 geboren, im Länderdreieck zu Tschechien und Deutschland aufgewachsen, nach Auswanderung im Saarland französische Lebensart genossen – Grenzerlebnisse haben Paulina Schulz geprägt. 2010 fand die Literatin mit ihrer Tochter in Stralsund ein Zuhause. „Es war Liebe auf den ersten Blick!“ Das maritime Flair, die kulturreiche Stadt, die herzliche Aufnahme durch die Einheimischen. Die Menschen in Vorpommern seien fantastisch, hilfsbereit und offen. Zu allem Glück arbeitet sie in ihrem Traumberuf Literaturübersetzerin und bringt im freiraum-verlag in Greifswald polnische Literatur heraus. Bereits seit 2002 ist sie für große Verlage tätig. Zeit zum eigenen Schreiben bleibt wenig, doch sie hat bereits vier Bücher publiziert und arbeitet an einem Roman. Ihr Traum: als Kulturorganisatorin ein deutsch-polnisches Literaturfestival in der Grenzregion Pomerania zu gestalten.

Von BuenosAires nach MV: Liliana Koll. (Bild: Anette Pröber)

Liliana Koll (51), aus Argentinien, betreibt mit ihrem Mann ein Steakhaus in Sternberg

Die Liebe spielte Schicksal. Nach ihrem Geschichtsstudium arbeitete die quirlige Argentinierin im Historischen Nationalmuseum von Buenos Aires als Besucherführerin. Bei einer Party lernte sie Olaf Koll kennen, einen ruhigen Deutschen von der Insel Rügen. Ihn hatte der Job bei einer deutschen Brauerei in den 90er Jahren nach Argentinien geführt. Das Paar heiratete und zog 2001 nach Deutschland. Nach Sternberg, einer Kleinstadt im Herzen Mecklenburgs. „Hier fühle ich mich zu Hause, von den Menschen angenommen“, sagt Liliana Koll. Und wenn sie Lust verspürt, ist sie auch schnell in Schwerin oder den ganz großen Kulturmetropolen Hamburg und Berlin, um stundenlang durch Museen zu streifen. Beruflichen Erfolg erhofften sich Kolls mit der „Gaststätte am Markt“ in Sternberg, die sie 2008 übernahmen. Die gute argentinische Küche sprach sich bald bis Schwerin herum. Für die Qualität der saftigen Steaks bürgt „Lili“, wie Liliana genannt wird. Als Küchenchefin ist sie streng. „In der Gastronomie sind Leidenschaft und Professionalität ein Paar.“