Thronsaal im Schloss Schwerin (TMV Tiemann)

Meisterstücke

Mecklenburg-Vorpommern trumpft wie kaum eine andere europäische Region mit architektonischen Prunkstücken aus der Vergangenheit auf: Etwa 2.000 Schlösser, Guts- und Herrenhäuser liegen malerisch eingebettet in romantischen Parkanlagen und traumhafter Landschaft.

Mit seinen über 600 Zimmern, 15 Türmen und 24 Schornsteinen ist das Schweriner Schloss Märchenkulisse und Parlamentssitz in einem: Einst war es Sitz der Fürsten, heute hat hier mit dem Landtag Mecklenburg-Vorpommerns ein demokratisch gewähltes Parlament seinen Sitz. Mit seiner traumhaften Lage auf einer Insel im Schweriner See gehört es zu den schönsten Schlössern Deutschlands. Jahrhundertelang war das Schloss die Residenz der mecklenburgischen Herzöge und Großherzöge. Es gilt heute als eines der bedeutendsten Beispiele des Romantischen Historismus in Europa. Mit den ehemaligen Herzogsschlössern von Güstrow, Ludwigslust und Neustrelitz gehört das Schweriner Schloss zu den Hauptresidenzen in Mecklenburg und hat eine Geschichte, die bis ins Jahr 941 zurückgeht, als hier die Wallanlage einer slawischen Burg stand.

Schloss Schwerin (Bild: TMV Felix Gänsicke)

Schloss Schwerin (Bild: TMV / Felix Gänsicke)

Das heutige Schloss wurde von 1845 bis 1857 nach den Plänen von Georg Adolf Demmler, Gottfried Semper, Friedrich August Stüler und Ernst Friedrich Zwirner errichtet. Die berühmten Architekten nahmen sich französische Renaissanceschlösser wie das Schloss Chambord an der Loire zum Vorbild. Wegen seiner sehr romantisch wirkenden Lage am See und seinem Baustil ist das Schweriner ein wahres Märchenschloss. Zum Residenzensemble gehören ebenso Dom und Schelfkirche mit ihren herzoglichen Grablegen, die Paulskirche, der Kasernenkomplex, das Neustädtische Palais und Funktionsbauten wie der Marstall oder die Hofwäscherei. Schwerin war Regierungssitz, Festung und Wohnung des Herzogshauses der Obotriten, der einzigen bis 1918 regierenden Dynastie slawischer Abstammung in Deutschland. Außen und innen ist das Schloss bis auf die bei einem Brand 1913 zerstörten Innenräume im Burgseeflügel weitgehend im Originalzustand erhalten. Besucher können in den Zimmern der großherzoglichen Appartements zeitgenössische Gemälde, Skulpturen und kunsthandwerkliche Objekte bewundern. Der Garten des Schlosses lockt zu jeder Jahreszeit zu einem Spaziergang. Hier befinden sich eine Orangerie, eine Grotte und ein reizvoller Kolonnadenhof. Im aus dem frühen 19. Jahrhundert stammenden oktogonalen Pavillon wird heute ein Restaurant betrieben.

Schloss Ludwigslust

Schloss Ludwigslust (Bild: TMV / Grundner)

Versailles Norddeutschlands

Neben dem Schweriner Schloss muss sich das prächtige Barockschloss Ludwigslust nicht verstecken: Gelegen in einem weitläufigen Park mit Alleen, Kaskaden, Kanälen und Wassersprüngen, wird es das „Versailles Norddeutschlands“ genannt. Sehenswert ist der sich über zwei Stockwerke des Schlosses erstreckende Goldene Saal, dessen Fenster, Spiegel und Kristalllüster höfischen Glanz verströmen. Das Schlossmuseum gibt Einblicke in die Kunst und Wohnkultur des 18. und 19. Jahrhunderts. Miniaturen, Jagd- und Prunkwaffen, Möbel sowie die Werke des französischen Hofmalers Jean-Baptiste Oudry belegen, dass die mecklenburgischen Herzöge auch große Sammler waren.

Schloss Mirow

Schloss Mirow (Bild: TMV / Kirchgessner)

Dr. Susanne Bocher

Dr. Susanne Bocher, Leiterin des Schloss Mirow

Schloss Mirow wurde 1709 vor der malerischen Kulisse des Mirower Sees erbaut. Die berühmteste Schlossbewohnerin war Prinzessin Charlotte. Sie lebte hier, bevor sie 1761 ihre Heimat für immer verließ, um in Großbritannien Königin zu werden. Als Queen Charlotte wurde sie von ihrem Gemahl König Georg III. von Großbritannien „mein Schatz aus Strelitz“ genannt. Auch die beliebte Paradiesvogelblume, die Strelitzie, verdankt ihren Namen der Prinzessin aus der mecklenburgischen Dynastie. Ihr Schloss Mirow liegt auf einer idyllischen Insel in der Mecklenburgischen Seenplatte. Es wurde ursprünglich als Witwensitz für Herzogin Christiane Aemilie Anthonie von Mecklenburg-Strelitz errichtet. Baumeister war Joachim Borchmann. Im Inneren des Schlosses kann der hochbarocke Festsaal des italienischen Stuckateurs Giovanni Battista Clerici besichtigt werden, der viele Besucher mit seinem Prunk überrascht, weil die bescheidenen Ausmaße des Schlosses nicht auf so ein prächtiges Inneres mit einer hohen Dichte an Rokokoausstattungen schließen lassen. Das Obere Schloss ist auch ein einzigartiges Denkmal der herzoglichen Wohnkultur der Mecklenburg-Strelitzer Dynastie, deren Hauptschloss in Neustrelitz im Zweiten Weltkrieg zerstört wurde. Nach dem Schlossbesuch lohnt sich ein Spaziergang am Ufer des Sees. Die Schlossinsel bietet mit dem Renaissancetorhaus und der Johanniterkirche weitere architektonische Highlights.

Schloss Bothmer

Schloss Bothmer (Bild: Staatliche Schlösser, Gärten und Kunstsammlungen M-V, Timm Allrich)

Ein Stück England hingegen findet man in Klütz in Nordwestmecklenburg: Erbaut durch den Reichsgrafen Hans Caspar von Bothmer, einem der mächtigsten Politiker des frühen 18. Jahrhunderts, thront das Schloss Bothmer inmitten einer idyllischen Parkanlage. Hier kann man nicht nur wunderbar entspannen, sondern auch Feste feiern und Konzerten lauschen. Graf Hans Caspar von Bothmer lebte als Berater des englischen Königs in London, und zwar in der legendären 10 Downing Street, dem heutigen Sitz des britischen Premierministers. Ab 1726 ließ er die prächtige Anlage im Klützer Winkel erbauen und schuf sich damit sein eigenes Denkmal. Als Vorbild diente übrigens das Buckingham House, der Vorläufer des heutigen Buckingham Palace. Bothmer hatte das Schloss als Stammsitz seiner Familie geplant und seine Nachfolger lebten tatsächlich bis 1945 hier. Reizvoll ist ein Spaziergang über die 270 Meter lange Festonallee von Schloss Bothmer, die zu den bekanntesten Sehenswürdigkeiten in ganz Mecklenburg-Vorpommern zählt. Die Allee erlaubt einmalige Einsichten in das Zusammenspiel von barocker Architektur und Landschaftsplanung.

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