Hafen Stralsund (TMV Tiemann)

Moderne Zeiten

Die Hanse ist legendär. Wie die Hanse als Bund nordeuropäischer Kaufmannshäuser und Handelsstädte emporstieg, bis zur politischen Supermacht, ist eine Geschichte für sich. Die typische Backsteinarchitektur in den Hansestädten zeugt noch heute von ihrer einstigen Bedeutung: Die Gebäude sind Monumente des Erfolgs, Symbole der Macht und Erinnerung an eine bis heute sehr aktuelle Idee.

Die Hanse war eine Vereinigung von Kaufleuten, die zwischen der Mitte des 12. Jahrhunderts und Mitte des 17. Jahrhunderts für die Sicherheit des Handels sorgte und vielen Städten großen Reichtum bescherte. Der Handel fand zu dieser Zeit mit dem Schiffstyp der Kogge statt, der zum Symbol der Hanse wurde. Die Farben der Hanse – weiß und rot – finden sich heute noch in den Stadtwappen vieler Hansestädte wieder. In den Zeiten ihrer größten Ausdehnung waren beinahe 300 See- und Binnenstädte des nördlichen Europas in der Hanse vereint.

Altstadt Wismar

Altstadt von Wismar (Bild: TMV / Grundner)

Deutliche Spuren hat die Hanse auch in Mecklenburg-Vorpommern hinterlassen, hier freuen sich gleich sechs Hansestädte auf Besuch. In Rostock, Stralsund, Wismar, Greifswald, Anklam und Demmin lassen sich noch heute Spuren des Baubooms aus dem 13. bis 16. Jahrhundert entdecken. Welches Gebäude aus dem Jahr 2021 wohl in 500 Jahren noch steht? Aber zurück zur Hanse: Der Backstein ist der Grundstein des goldenen Bauzeitalters. Er macht filigrane Pfeiler möglich und weckt so die Illusion von Schwerelosigkeit. Auch für die Fassaden der Gebäude ergeben sich neue dekorative Möglichkeiten. Ein Kulturerbe, an dem sich Menschen aus aller Welt erfreuen, von der UNESCO als Welterbe ausgezeichnet.

Urbanes Leben in alten Gemäuern

Es ist viel los in Rostock: Die gotischen Giebelhäuser stehen dicht an dicht, dazwischen das idyllische Kloster zum Heiligen Kreuz mit dem Kulturhistorischen Museum, nicht weit entfernt die älteste Universität Nordeuropas und am Marktplatz das barocke Rathaus mit seinen sieben Türmen. Rostock ist seit 1283 Mitglied der Hanse, in den folgenden Jahrhunderten blühte die Stadt durch den Freihandel auf. Viele Bauten der Backsteingotik aus dieser Zeit sind heute noch erhalten.

Rostock Stadthafen

Stadthafen von Rostock (Bild: TMV / Krauss)

Rostock verfügt über einen reichen Altbaubestand und einen relativ geschlossenen historischen Stadtkern. St. Marien im Stadtzentrum, die schönste Kirche Rostocks, gilt mit ihrem mächtigen Westbau als ein Hauptwerk der norddeutschen Backsteingotik. Das Rathaus aus dem 13. und 14. Jahrhundert glänzt mit seiner 1727 entstandenen barocken Fassade. Hausbaumhaus, das Kerkhoffhaus, das Ratschow-Haus oder das Krahnstöverhaus in der Großen Wasserstraße sind Beispiele prunkvoller Kaufmannshäuser. Weitere Sehenswürdigkeiten sind der Botanische Garten, die Rostocker Heide mit wohltuendem Mischklima aus See- und Waldluft sowie der Rostocker Zoo im Naherholungsgebiet Barnstorfer Wald, der seit 2012 mit dem Darwineum eine besondere Attraktion erhielt. Ein beliebter Stadtteil Rostocks ist das maritim geprägte Seebad Warnemünde mit seinem, bis zu 200 Metern breiten Sandstrand, den vielen kleinen Kapitänshäusern am Alten Strom und dem Leuchtturm von 1898.

Venedig Norddeutschlands

Das „Venedig Norddeutschlands“ liegt in Stralsund. Die UNESCO-Welterbe-Stadt beeindruckt architektonisch mit ihren beiden Stadttoren und drei echten Backsteinriesen: den Kirchen St. Nikolai, St. Marien und St. Jakobi. Stralsund erhielt im Jahr 1234 das Lübische Stadtrecht und ist damit die älteste Stadt Pommerns. Als Gründungsmitglied der Hanse kam die Stadt durch internationalen Handel zu großem Wohlstand, was sich heute noch in der Altstadt mit ihren zahlreichen Baudenkmalen und wertvollen Zeugnissen der Backsteingotik offenbart, darunter viele ehemalige Kaufmannshäuser, Kirchen, Gassen und Plätze.

Rathaus Stralsund

Roter Ziegelstein für ewige Größe: Rathaus in Stralsund (Bild: TMV / Tiemann)

Von den über 800 denkmalgeschützten Häusern in Stralsund stehen mehr als 500 als Einzeldenkmal in der Altstadt; viele Altstadtgebäude wurden in der Zeit nach der Wiedervereinigung vollständig saniert. Stralsund lockt Besucher nicht nur als Erholungsort, sondern auch durch seine Museen und Veranstaltungen an. Das Deutsche Meeresmuseum mit dem Ozeaneum Stralsund, das Stralsund Museum und Veranstaltungen wie die jährlichen Wallensteintage und der Rügenbrücken-Marathon sind vielbesucht. Wegen seiner Lage am Strelasund, einer Meerenge der Ostsee zwischen Festland und der Insel Rügen, wird die Stadt auch „Tor zur Insel Rügen“ genannt.

Ein Stück Schweden inmitten Deutschlands

Backsteingotik Wismar

Hafenflair und Backsteingotik: Wismar (Bild: iStock)

Die Zeit der Hanse ist auch in Wismar lebendig geblieben. Der Stadtgrundriss hat sich bis heute kaum verändert. Mit blau-gelben Fahnen geschmückte Gebäude erinnern an die Zeit unter der Schwedischen Krone von 1648 bis 1803. Seit 2002 gehört die Altstadt zum UNESCO-Welterbe. Wismar liegt an der Ostseeküste Mecklenburg-Vorpommerns am südlichen Ende der durch die Insel Poel geschützten Wismarer Bucht. Wegen ihres Stadtbilds und der Lage an der Ostsee ist die Hansestadt ein beliebtes Urlaubsziel. Schon früh war Wismar Mitglied der Hanse und blühte im Spätmittelalter auf, was sich im Stadtbild durch viele gotische Baudenkmale zeigt. An die schwedische Herrschaft erinnert heute das jährliche „Schwedenfest“.

Altehrwürdige Universitäts- und Hansestadt

Museumshafen Greifswald

Deutschlands größter Museumshafen in Greifswald (Bild: iStock)

Von der Schönheit der Stadtsilhouette Greifswalds inspiriert, wählte der Maler der Romantik Caspar David Friedrich, berühmtester Sohn der Universitäts- und Hansestadt, die Backsteinbauten oft zu Motiven seiner Bilder. Zur Zeit der Romantik war Greifswald bereits eine der ältesten Universitätsstädte Europas. Das barocke Hauptgebäude der Uni prägt heute das Stadtbild - neben Bürgerhäusern aus Backstein sowie dem Rathaus in Ochsenblutrot. Maritimes Flair verbreiten die vielen ausgestellten Schiffe im größten Museumshafen Deutschlands. Über 50 Schiffe begeistern mit detaillierten Beschreibungen. Lohnenswert ist ein Besuch des Pommerschen Landesmuseums Greifswald mit Originalwerken Caspar David Friedrichs.

Wegbereiter für den modernen Luftverkehr

Der Traum vom Fliegen führt nach Anklam. Flugbegeisterte können sich im Otto-Lilienthal-Museum über den Luftfahrtpionier informieren. Die Stadt ist als Geburtsort von Otto Lilienthal bekannt; er gilt als der erste Mensch, der erfolgreich und wiederholbar Gleitflüge mit einem Flugapparat durchführte. Weiter geht’s zu Fuß: vorbei an Stadtmauern in den historischen Stadtkern mit Marktplatz und Brunnen, eleganten Kaufmannshäusern und den Backsteinkirchen. Anklam wird aufgrund seiner Lage auch als „Tor zur Insel Usedom“ bezeichnet.

Otto-Lilienthal-Museum

Von Anklam aus dem Himmel entgegen (Bild: Wittig, Otto-Lilienthal-Museum)

Demmin

Eingebettet in landschaftlich reizvolle Umgebung: Demmin (Bild: Thomas Grundner)

Im Herzen des Dreistromlandes

Einmalig: Demmin gehört heute der neuen Hanse an, obwohl es nicht direkt an der Ostsee liegt. In der Landschaft von Mecklenburg-Vorpommern ist Demmin nicht zu verfehlen, denn aus allen Himmelsrichtungen bestimmt der hohe Turm der St. Bartholomaei-Kirche die ländliche Skyline. Mit einer Höhe von 92,5 Metern ist der bei einer Restaurierung aufgestockte filigrane Kirchturm ein sehenswertes Bauwerk der Neogotik. Demmin gehört zu den ältesten Orten Pommerns und ist durch seine reizvolle Umgebung besonders bei Naturtouristen beliebt. In Demmin fließen auch die drei Flüsse Peene, Trebel und Tollense zusammen.

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