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Bio-Medizingeräte aus Teterow

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Text: Andreas Frost

Biologie, Chemie, Medizin und Physik – Julia Herfurth kann sich jeden Tag aufs Neue dafür begeistern. Die promovierte Humanbiologin ist Projektkoordinatorin beim weltweit agierenden Biotechnologieunternehmen Miltenyi Biotec. Im Zweigwerk in Teterow forscht sie zusammen mit ihren Kolleginnen und Kollegen zum Beispiel daran, Therapien zur spezifischen Blutwäsche zu verbessern. Damit werden – außerhalb des Körpers – schädliche Moleküle gezielt aus dem Blutplasma entfernt. Aber auch bei Autoimmunkrankheiten wie Multipler Sklerose oder beim vom Corona-Virus verursachten Long-Covid spielt diese spezifische Blutwäsche eine wichtige Rolle.

 „Ohne diese Form der Blutwäsche sind selbst manche Organtransplantationen nicht möglich“, erklärt Julia Herfurth. Ihr Ziel ist es nun, jeweils möglichst sehr gezielt nur die ungewollten Bestandteile aus dem Blut zu holen. Dazu müssen die sogenannten Absorber, die mit den Blutwäschegeräten verbunden werden, sehr spezifisch aufgebaut werden. Da geht es um „komplexe Zuckerkügelchen mit Poren“ und um „Liganden, an denen die störenden Moleküle binden sollen“, wenn das Blutplasma darüber geleitet wird. Was bei einer Patientin funktioniert, ist allerdings nicht automatisch beim nächsten Patienten hilfreich. „Das ist hochkomplex“, sagt die Naturwissenschaftlerin, „und wir forschen auch daran, warum das so ist, und suchen nach Lösungen“.

Julia Herfurth

Forscht in Teterow daran, Therapien zur spezifischen Blutwäsche zu verbessern: Julia Herfurth. (Bild: Andreas Frost)

Julia Herfurth

Bei Miltenyi Biotech in Teterow pipettieren die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler noch selbst. (Bild: Andreas Frost)

Julia Herfurth wertet nicht nur Versuchsreihen ihrer Kolleginnen und Kollegen aus, die Hälfte ihrer Arbeitszeit verbringt sie selbst im Labor: „Ich pipettiere noch selbst.“ Außerdem habe sie bei Miltenyi Biotec die Möglichkeit, auch Dingen nachzuforschen, die nicht unmittelbar zu einem profitablen Produkt führen könnten. Das sei in der Branche wohl eher selten, sagt sie. Wichtig sei ihrem Unternehmen, das in Teterow inzwischen rund 500 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter beschäftigt, „dass wir einen Unterschied machen für die Patientinnen und Patienten“.

Groß geworden ist Julia Herfurth in Neubrandenburg im Landkreis Mecklenburgische Seenplatte. Eigentlich wollte sie Psychologie studieren, entschied sich dann aber für Medizinische Biotechnologie an der Universität Rostock. Als das Studienfach dort eingerichtet wurde, gehörte sie zum ersten Jahrgang. Ihren Master machte die Humanbiologin in Essen, wo sie danach auch ihre Doktorarbeit geschrieben hat.

Teterow liegt eingebettet in unberührter Natur, hier der Teterower See mit Blick auf die Burgwallinsel. (Bild: TMV/Gänsicke)

Julia Herfurth

Die Naturwissenschaftlerin verbringt die Hälfte ihrer Arbeitszeit im Labor. (Bild: Andreas Frost)

Bereits während des Studiums wuchs in ihr der Wunsch, zurück nach Mecklenburg-Vorpommern zu kommen. „Als ich einmal meine Mutter besuchte, bin ich aufgewacht und dachte, ich sei taub. So ruhig war es. Krass, wie groß der Unterschied zum rummeligen Ruhrgebiet ist.“ Einer ihrer auswärtigen Freunde, so erzählt sie, war fasziniert von der nächtlichen Dunkelheit in Mecklenburg-Vorpommern. „Und wenn es richtig dunkel ist, dann sieht man Sterne und keine Flugzeuge. Und die Milchstraße, die sieht man wirklich gar nicht mitten im Ruhrgebiet.“ Ja, auch den unverstellten Blick, wenn keine Hochspannungsleitung den Horizont zerteilt, habe sie vermisst. Als sie ihre Doktorarbeit fertig hatte, stieß sie auf die Ausschreibung der Stelle bei Miltenyi Biotec in Teterow – und hat nicht lange gezögert. Inzwischen lebt sie zusammen mit ihrem Freund in Neustrelitz. Wenn Julia Herfurth arbeitet, geht ihre Tochter in den Kindergarten. „Meine Freunde im Ruhrgebiet wollten es kaum glauben: Der hat nicht nur den ganzen Tag geöffnet, er ist für die Eltern in Mecklenburg-Vorpommern auch kostenlos.“

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