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Arbeiten im schönsten Revier

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Text: Andreas Frost

Wenn Mirko Hecht vom Surfen erzählt, schlägt seine Begeisterung Funken, die überspringen: „Es ist die Kraft im Segel, die Energie, die mich voranbringt. Ich spüre, was der Wind und die Wellen mit mir machen könnten, wenn sie wollten.“ Er hält kurz inne und fügt verschmitzt hinzu: „Aber ich nutze ja ihre Kraft für mich – und kann springen.“ Hecht hat die für ihn perfekte Kombination aus Wind und Wellen gefunden: vor Boek am Ostufer der Müritz, Deutschlands größtem Binnensee. Der stetige Westwind treibt das Wasser vor sich her, bis sich einen Kilometer vor dem Ufer die Welle weiß an einer Kante am Grunde des Sees bricht. Von da an rollt sie aus über dem weißen Sand, der nur hüfttief unter dem glasklaren Wasser liegt.

Die Müritz, Teil der Mecklenburgischen Seenplatte, ist Deutschlands größter Binnensee. (Bild: TMV/Witzel)

Seit zwölf Jahren teilt Mirko Hecht hier seine Begeisterung mit seinen Schülerinnen und Schülern. Sie kommen auf die Lichtung vor dem Campingplatz in Boek, um Surfen zu lernen oder um ihr Können zu verbessern. Unter einem Dach zwischen zwei dunkelblauen Campingwagen haben Mirko Hecht und seine Kolleginnen und Kollegen für jeden das passende Brett und das richtige Segel. „Im Sommer ist es auf der Wiese genauso bunt wie draußen auf dem Wasser“, erzählt der Surflehrer. „Man gibt sich auch untereinander Tipps, fachsimpelt über das beste Material. Das ist hier ein gutes Miteinander, kein Gepose.“

„Ich habe schon viele Strände erlebt, hier finde ich es am schönsten.“

Mirko Hecht

Aus Hobby wird Profession

Wer will, kann einmal quer über die Müritz surfen. Oder einmal rundherum. Oder um die Wette. Mirko Hecht interessiert das nicht. „Ich will nur springen.“ Auf einem der Havelquellseen im Müritz-Nationalpark, wo er aufgewachsen ist, hat er als Junge das Surfen gelernt. Dann hat er als Tischler Treppen gebaut. „Da war ich ein Workaholic“, erzählt er. Als er eine Auszeit brauchte, hat er seine zehn Surfbretter in sein Wohnmobil gepackt und ist nach Portugal gefahren. „Am Strand kamen die ersten Bitten, ob ich nicht mal zeigen kann, wie man surft.“ Die Auszeit dauerte immer länger und aus dem Hobby wurde eine Profession.

Surflehrer Hecht ist in seinem Element. (Bild:  Surf-Hecht)

Die Bretter, die die Welt bedeuten: Mirko Hecht ist auf dem Wasser vor Boek zu Hause. (Bild: Andreas Frost)

Eine Zeit lang gab er Surfstunden an der Ostsee in Graal-Müritz, wo er in einer Blockhütte am Strand lebte. Zuletzt war er Surflehrer in Ägypten. Dort erreichte ihn irgendwann ein Anruf aus der Heimat. Er könne nun doch seine Surfschule aufmachen, an jener Badestelle in Boek, auf die er schon lange ein Auge geworfen hatte. „Ich habe schon viele Strände erlebt, hier finde ich es am schönsten“, sagt der braun gebrannte Hecht.

Während der Saison lebt Mirko Hecht in seinem dunkelblauen Wohnwagen. Tagsüber gibt sein Team in der Regel drei Kurse. Die Kitesurfenden haben ihr eigenes Revier, die Stand-up-Paddlerinnen und -Paddler ihre eigenen Kurse. Und wenn er nicht zu müde ist, sitzt Mirko Hecht zwischen all den Surfenden und schaut der Sonne zu, wie sie rot glühend über der Müritz untergeht.

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