Land
Familie campt am Wasser - Bild TMV - Roth

Wir sind Urlaubsland.

Offene Herzen und Türen in Mecklenburg-Vorpommern für einen sicheren Tourismus

Seit Ende Mai 2020 kann Mecklenburg-Vorpommern endlich wieder das sein, was es ist: das beliebteste Urlaubsziel in Deutschland. Nicht nur viele Gäste freuen sich darüber. Auch die Beschäftigten in der Tourismusbranche sind froh und erleichtert, wieder Urlauberinnen und Urlauber begrüßen zu dürfen. Wir stellen Ihnen stellvertretend für die Gastfreundschaft des Landes einige Gastgeberinnen und Gastgeber vor.

Text von Marieke Sobiech

Zehn Wochen kompletter Stillstand: eine Ausnahmesituation mit gefühlt ungewissem Ausgang für die Hoteliers und Gastronominnen und Gastronomen in MV. Zu den Fragen um das „Wie weiter?“ kam die Ungewissheit, wie lange die Corona-Schutzmaßnahmen wohl andauern müssten. Doch die Menschen in der Branche hielten zusammen, erarbeiteten Sicherheits- und Hygienekonzepte und brachten sich aktiv in den Diskurs um einen möglichen Neustart ein. Viele starke Unternehmerpersönlichkeiten stemmten sich mit all ihrer Kraft gegen die Auswirkungen der Krise.

Mueßer Hof

Traditionsreicher Gasthof mit angeschlossener Eisdiele: der Mueßer Hof (Bild: Mueßer Hof Schwerin)

Jana Maiwirth

Betreibt in der Landeshauptstadt Schwerin ein Vier-Sterne-Hotel: Jana Maiwirth (Bild: Mueßer Hof Schwerin)

So wie Jana Maiwirth. Die Hotelierin betreibt in der Landeshauptstadt Schwerin ein Vier-Sterne-Hotel und einen traditionsreichen Gasthof mit angeschlossener Eisdiele, beide Häuser in idyllischer Stadtrandlage. Seit 15 Jahren managt die Geschäftsführerin das Familienunternehmen. Ihre Tochter arbeitet an der Hotelrezeption, ihre Eltern sind im Housekeeping tätig, der Schwiegersohn ist Küchenchef. Ihrem Mann obliegt das Geschäft der Eismanufaktur. In der Corona-Krise habe ihr die Familie besonderen Rückhalt gegeben, erzählt Jana Maiwirth, nicht nur mental. Alle hätten mit angefasst.

„Den Mueßer Hof haben wir als zweites Standbein erst vor vier Jahren übernommen. Im Durchschnitt dauert es mindestens sieben Jahre, bis sich eine solche Investition betriebswirtschaftlich anfängt zu rechnen“, sagt die Unternehmerin. „Als dann die Corona-Schutzmaßnahmen erlassen wurden, mussten wir die Gastronomie von einem Tag auf den anderen schließen. Und ich gestehe: In dem Moment war ich drauf und dran, den Laden aufzugeben.“ Die Maiwirths ließen den Familienrat tagen. „Da sagte mein Vater zu mir: Du hast all das mit so viel Herzblut aufgebaut, komm, wir schaffen das! Also haben wir für den Mueßer Hof gekämpft.“ Die Familie, die schon in dritter Generation im Gastgewerbe tätig ist, arbeitete an kreativen Lösungen, sprach mit Mitarbeitenden, Bankberaterinnen und Bankberatern und Zulieferern, kurbelte den gastronomischen Außer-Haus-Verkauf an. Dabei war auf die treue Kundschaft Verlass.

„Ich freue mich so, dass es wieder losgeht“

Hotel Arte

Steht Urlauberinnen und Urlauber wieder offen: das Hotel Arte
(Bild: Hotel Arte Schwerin)

Ihr „Hotel Arte“ blieb für Geschäftsreisende geöffnet. Ein Lichtblick. Für Gäste und Gastgeberin. „Wir haben versucht, unseren Firmengästen in dieser unruhigen Zeit möglichst viel Kontinuität und Normalität zu vermitteln. Dafür haben sich viele bedankt“, freut sich die Hotelchefin. Auch jetzt, wo das Haus wieder für Urlauberinnen und Urlauber offen steht, erfährt sie überwiegend positive Resonanz. Jana Maiwirth hat die Terrassenmöbel im gesamten Garten verteilt, um die Abstände zwischen den Tischen zu vergrößern. Nun können die Hotelgäste unter dem Apfel- oder Pflaumenbaum sitzen, während sie die selbst gemachte Marmelade auf das Frühstücksbrötchen streichen. Die Gastgeberin ist glücklich, die Touristinnen und Touristen sind es auch. „Momentan könnte ich die Gäste umarmen, weil ich mich so freue, dass es wieder losgeht. Aber das darf ich ja noch nicht“, lacht sie.

Momentan könnte ich die Gäste umarmen, weil ich mich so freue, dass es wieder losgeht. Aber das darf ich ja noch nicht.

Jana Maiwirth

Auch im Mueßer Hof werden wieder Gäste empfangen. „Nun beginnt für uns die Aufholjagd. Fast jede und jeder in unserer Branche erzielt den Großteil seiner Einnahmen in der Hauptsaison, um anschließend gut über den Winter zu kommen“, gibt Jana Maiwirth Brancheneinblicke. Ob sie das schaffen wird? Sie zeigt sich optimistisch: „Die Corona-Epidemie ist für mich nicht die erste Krise, mit der ich als Unternehmerin zu kämpfen habe.“ Es habe schon früher harte Zeiten gegeben, zum Beispiel nach der Wende oder auch Ende der Neunzigerjahre. „Für die Zukunft wünsche ich mir, dass wir irgendwann leichthin sagen können: Erinnert ihr euch noch an das Corona-Jahr?“

Aus Krisen Chancen machen

Rolf Seelige-Steinhoff

Betreibt 16 Hotels auf der Ostseeinsel Usedom: Rolf Seelige-Steinhoff (Bild: Seetelhotels)

Ahlbecker Hof

Ahlbecker Hof (Bild: Seetelhotels)

Ähnliches wünscht sich auch Rolf Seelige-Steinhoff. Der Unternehmer betreibt 16 Hotels auf der Ostseeinsel Usedom. Sein Team und er reagierten sofort, als sie am späten Abend des 15. März die Nachricht erhielten, dass aufgrund der Corona-Schutzmaßnahmen ab dem nächsten Tag keine Reisenden mehr die Insel besuchen dürften. Eilig wurde ein Meeting einberufen, um zu beraten, wie mit der Situation umzugehen sei. Noch in derselben Nacht schmiedeten sie einen Plan, waren die Aufgaben neu verteilt. Kostenanalyse, Kapazitätenplanung, Personalgespräche, Lieferantentelefonate, Liquiditätsermittlung, Bankverhandlungen.

Ein unumgänglicher Schritt stand schnell fest: Kurzarbeit. „Ganz ehrlich, ich hatte Tränen in den Augen, als ich vielen unserer Mitarbeitenden sagen musste, dass sie jetzt in Kurzarbeit gehen müssen“, blickt Seelige-Steinhoff zurück. „Gleichzeitig bestanden die ersten zwei Wochen nach der Schließung vor allem daraus, die Stornierungen der Gästebuchungen abzuarbeiten. Das war für uns alle mental eine ziemlich schwierige Zeit.“

Hygienehinweis

Hygienehinweis in den Seetelhotels (Bild: Seetelhotels)

Doch der Chef der Seetelhotels gilt als einer, der den Kopf nicht in den Sand steckt. Aus Krisen Chancen machen, so lautet sein Motto. Seelige-Steinhoff krempelte auch in dieser Situation die Ärmel hoch. Ein Hygiene- und Schutzkonzept für die Wiedereröffnung der Hotellerie und Gastronomie sollte her, schnellstmöglich. Der Hotelier fragte den auf der Insel lebenden Mediziner Dr. Matthias Gründling und die Spezialisten eines Hygienemittel-Herstellers um Rat. Gemeinsam erstellten die Experten ein Konzept für die Hotels des Familienunternehmens. Dekorationen wurden aus den Zimmern geräumt, Check-in-Abläufe an der Rezeption völlig neu geplant, Desinfektionsspender aufgestellt. Banderolen wurden gedruckt, die mit einem eigens entwickelten Siegel überall auf Sauberkeit hinweisen: „Gereinigt, desinfiziert, geprüft“. In den Restaurants wurde die Anzahl der Sitzplätze halbiert, um genügend Abstand zwischen den Gästen zu wahren. Im Gegenzug verlängerten sich die Frühstückszeiten – zur Freude von Langschläferinnen und Langschläfern, die nun bis mittags die erste Mahlzeit des Tages einnehmen können.

Inseleigene Corona-Kommission

Matthias Gründling

Dr. Matthias Gründling (Bild: Manuela Janke/Universitätsmedizin Greifswald)

Der Vorschlag, alternativ zum klassischen Servieren die frei bleibenden Tische als Beistelltische für Speisen zu nutzen, stammt von Dr. Matthias Gründling. Der Intensivmediziner arbeitet seit 30 Jahren an der Klinik für Anästhesiologie der Universitätsmedizin Greifswald. Hier forscht er zur Sepsis, vielen besser bekannt als Blutvergiftung. Gründling sieht Parallelen zu COVID-19. So ähnele der Verlauf der Infektionskrankheit dem einer Sepsis. Der Facharzt ist zudem einer von vier Corona-Cluster-Managern in MV. Von seinem Arbeitsplatz in Greifswald aus koordiniert er seit März 2020 die medizinischen Maßnahmen, Patientenströme und Beatmungsplätze in den acht umliegenden Krankenhäusern der Region.

Als der Hotelverband der Insel Usedom, dem auch die Seetelhotels von Rolf Seelige-Steinhoff angehören, an ihn herantrat, war für den Mediziner die Mitarbeit selbstverständlich. Nicht zuletzt, weil er sich der Branche verbunden fühlt: Sein Vater arbeitete als Koch und Kellner. Die Ideen, die die inseleigene Kommission für einen sicheren Urlaub während der Corona-Krise entwickelte, weckten bald das Interesse der Landesregierung. Sepsis-Spezialist Gründling wurde Mitglied der eigens eingerichteten Task Force „Sicherer Tourismus“, bestehend aus Branchenvertreterinnen und -vertretern, Gewerkschaftsverbänden, Politik und unter Federführung der Staatskanzlei MV. Mit ihrem Hygienekonzept standen Rolf Seelige-Steinhoff und Dr. Matthias Gründling auch im bundesweiten Medieninteresse. In Interviews und Fernsehauftritten gaben der Unternehmer und der Mediziner Einblicke in ihr Gesundheits- und Sicherheitspaket für die Hotels.

Durch das Tragen der Maske kann jede und jeder andere Menschen schützen.

Dr. Matthias Gründling

„Einen Strandspaziergang kann man sorglos machen“

Gründling ist überzeugt, dass der Gesundheitsschutz von Mitarbeitenden und Gästen in den Hotels und Restaurants gewährleistet werden kann – unter der Bedingung, dass die Menschen bereit sind, im Urlaub einige neue Regeln zu akzeptieren. „Das Wichtigste ist immer noch das Abstandhalten, gerade in geschlossenen Räumen. Hier ist das Risiko einer Virusübertragung um ein Vielfaches höher als draußen an der frischen Luft“, klärt der Mediziner auf. Der Grund: Das Corona-Virus kann sich nach neuen wissenschaftlichen Erkenntnissen auch an Aerosole – winzige Partikel, die fürs menschliche Auge unsichtbar durch die Luft schweben – heften und verbreiten.

„Einen Strandspaziergang bei frischer Brise und richtigem Sicherheitsabstand kann man verhältnismäßig sorglos machen, weil sich die Aerosole hier nicht lange halten können“, resümiert der Arzt. Auch der vorgeschriebene Mund-Nasen-Schutz spiele weiterhin eine wichtige Rolle bei der Reduzierung des Corona-Infektionsrisikos. Der Mediziner betont noch einmal: „Durch das Tragen der Maske kann jede und jeder andere Menschen schützen.“ Im Reisegepäck dürfen die Masken deshalb nicht fehlen. „Und klar, ich gehe selbstverständlich davon aus, dass niemand, der Krankheitssymptome zeigt, noch losfährt in den Urlaub.“ Seine eigenen Urlaubspläne hat der passionierte Hobbyfotograf bereits vor Wochen geändert. Statt Kroatien bleibt er nun im Sommer seiner Insel treu. Er weiß ja, was er an ihr hat.

Tobias Woitendorf

Tobias Woitendorf, Geschäftsführer des Tourismusverbands Mecklenburg-Vorpommern (TMV) (Bild: TMV/Danny Gohlke)

Das wissen auch die Gäste. Die aktuell hohe Nachfrage für Urlaub an der Ostseeküste, an der Seenplatte oder den Flusslandschaften bestätige dies, berichtet Tobias Woitendorf, Geschäftsführer des Tourismusverbands Mecklenburg-Vorpommern (TMV). Laut einer Umfrage des TMV zeichnete sich bereits seit Mitte Mai ein Vorbuchungsstand von rund 60 Prozent bei allen befragten Häusern ab. Doch wie wirkt sich die Corona-Krise auf die Preise für Übernachtungen aus? Wird jetzt alles teurer? Der Tourismus-Chef sieht hier bislang nur eine moderate Preiserhöhung in Mecklenburg-Vorpommern, die vor allem bedingt ist durch die zusätzlichen Aufwendungen für die Hygienemaßnahmen und den Infektionsschutz. „Wir sind ein Gastgeberland durch und durch“, so Woitendorf, „die Branche ist vorbereitet und sensibilisiert, um ein möglichst sicheres Reisen zu gewährleisten. Die Hoteliers und Gastronominnen und Gastronomen freuen sich darauf, den Gästen eine schöne Zeit zu bereiten. Und ich weiß, dass sie alles tun werden, damit sich die Urlauberinnen und Urlauber sicher und wohl fühlen bei uns in MV.“

Gastbeitrag von Tobias Woitendorf

Tourismusverband Mecklenburg-Vorpommern

www.mecklenburg-vorpommern.de Impressum