Kult, Komödie oder Krimi

Land & Leute

Dreharbeiten der SOKO Wismar am Alten Hafen der Hansestadt Wismar (Bild: TZ Wismar, Alexander Rudolph)

Mecklenburg-Vorpommerns Vielfalt bietet Platz für jedes Genre.

Text von Andreas Frost

Regisseur Max Gleschinski dreht am liebsten in Mecklenburg-Vorpommern. (Bild: Andreas Frost)

An einer versteckten Badestelle eines Waldsees irgendwo in MV haben sich Martin und Eric zum Angeln verabredet. Was ein idyllischer Männerausflug werden könnte, entwickelt sich zum blutigen Drama. Denn die beiden Jugendfreunde lieben dieselbe Frau. Kahlschlag, der erste Spielfilm von Max Gleschinski, ist bei den renommierten Hofer Filmtagen 2018 als bester Nachwuchsfilm ausgezeichnet worden. Die Dreiecksgeschichte ist so unkonventionell wie Gleschinski experimentierfreudig.

Gleschinski dreht vor allem in Mecklenburg-Vorpommern. „Wenn meine Geschichten an Orten spielen, die ich kenne, dann sind sie einfach authentischer.“ Für seine nächsten Projekte hält der junge Regisseur, der bislang keine Filmhochschule besuchte, ständig Ausschau nach möglichen Drehorten, „die anderenorts nicht zu finden sind.“ Nicht weit von seiner Heimatstadt Rostock gehört für ihn die historische hölzerne Klappbrücke bei Nehringen dazu, hinter der im sumpfigen Gelände tote Bäume stehen. „Das Bild erzeugt eine einzigartige, filmreife Atmosphäre.“ Spannend ist für ihn auch die doppelte Querung von Stralsund zur Insel Rügen. „Der alte flache Backsteindamm gleich neben der modernen Hochbrücke, die mit ihren Seilen an San Francisco erinnert, da kann jeder seinen eigenen Film in seinem Kopf ablaufen lassen.“

Filmemacher haben MV schon lange im Blick. Bereits 1922 trug im Stummfilmklassiker Nosferatu der Vampir seinen Sarg durch das Wassertor in Wismar. Seit 2004 führen preisgekrönte Stadtführer ihre Gäste zu den altehrwürdigen Stadthäusern, die der Erfolgsserie SOKO Wismar als Kulisse dienen. An manchen Drehorten scheint die Zeit stehen geblieben zu sein.

Unverbrauchte Bilder

„Filmemacher kommen nach Mecklenburg-Vorpommern wegen der unverbrauchten und unverbauten Landschaften, der spektakulären Ostseeküste, wegen der alten Gutshäuser und der historischen Stadtkerne, die es in vielen anderen Bundesländern nicht mehr gibt. Und sie kommen, weil Bürger und Behörden Dreharbeiten mit Wohlwollen und Neugier begleiten“, sagt Volker Kufahl, Geschäftsführer von Filmland MV.
(Bild: Film Commission MV)

Wie rund ums Schloss Kummerow. Das moderne ZDF-Märchen Schneeweißchen und Rosenrot ist in diesem verzaubernden Ambiente entstanden. Und wenig Aufwand bedurfte es, um den Nikolaikirchhof in Stralsund für die humorvolle Klaus-Störtebeker-Legende 12 Meter ohne Kopf ins Mittelalter zurückzusetzen. Andere Drehorte sind voll quirligen Lebens, wie der kleine Hafen in Dierhagen auf dem Fischland. Ella Schön, gespielt von Annette Frier, hat sich hier mit der Erbschaft ihres Mannes herumgeschlagen. Vom Dach der Schmalspurbahn Rasender Roland auf Rügen sprang Schlagerstar Frank Schöbel zusammen mit Filmpartnerin Chris Doerk im Kultfilm Heißer Sommer direkt ins Heu. Und es gibt mondäne Kulissen wie das Grandhotel in Heiligendamm, wo das italienisch-französische Team um Regisseur Roberto Andó das Finanz-Verschwörungsdrama Le Confessioni drehte – bei laufendem Hotelbetrieb.

Der Seebrücke in Ahlbeck auf Usedom setzte einst Loriot in Pappa ante portas ein humorvolles Denkmal. Etwas weiter nördlich wurde am Strand und auf dem alten Flugfeld in Peenemünde Roman Polanskis Ghostwriter gedreht, der eigentlich auf der kleinen Atlantik-Insel Martha’s Vineyard spielt.

Mecklenburg-Vorpommern ist die neue Heimat von Schauspielerin Annett Renneberg.
(Bild: Annett Renneberg, privat)

In der sanft gewellten Landschaft am Schaalsee in Westmecklenburg drehte Kultregisseur Detlev Buck den Kinder- und Pferdefilm Hände weg von Mississippi. Später verfilmte er hier Die Vermessung der Welt von Daniel Kehlmann. In einem Dorf in dieser Gegend wohnt Annett Renneberg, die unter anderem in Venedig die Signorina Elettra in den Donna-Leon-Krimis der ARD spielt. „Paradiesisch fühle ich mich hier – wie in einem Landfilm“, schwärmt die Schauspielerin. Auf ihren Ausflügen durchs Land hat sie manchen Ort gefunden, den sie sich als Filmkulisse vorstellen kann. „Das alte Gemäuer des Klosters Rühn bei Bützow war wirklich eine Entdeckung für mich“, erzählt sie, „es passt bestimmt zu einem historischen Kirchenfilm.“ Sie selbst würde gern im Schloss Bothmer im Klützer Winkel spielen, „selbst wenn es eine böse Stiefmutter ist.“ Das Ambiente des weitläufigen Barock-Ensembles hat es ihr angetan. Faszinierend findet sie übrigens an ihrer Wahlheimat, „dass jeder seinen ganz privaten Geheimtipp zu einem kleinen See mit versteckter Badestelle hat.“ An einer dieser Badestellen drehte Max Gleschinski seinen Film Kahlschlag.

Mit Unterstützung von Filmland MV.