Habt Mut!

Leute

Regisseur Andreas Dresen im Strandkorb. (Bild: Timo Roth)

Mit Filmen wie Gundermann, Halbe Treppe, Sommer vorm Balkon und Wolke 9 avancierte er zu einem der bekanntesten Filmemacher Deutschlands. Seit Kurzem vermittelt er sein Wissen an Studierende der Hochschule für Musik und Theater (hmt) in Rostock. Was diesen Job so reizvoll macht und was er mit MV verbindet, erzählt uns Regisseur Andreas Dresen im Strandkorbgespräch.

Herr Dresen, Sie sind in Schwerin aufgewachsen. Was verbindet Sie heute mit Mecklenburg-Vorpommern?

Andreas Dresen: Es gibt den schönen Satz von Uwe Johnson: Heimat ist da, wo Erinnerung sich auskennt. Und in Mecklenburg-Vorpommern kennt sich meine Erinnerung ziemlich gut aus. Ich bin in Schwerin zur Schule gegangen, habe da meine Kindheit und Jugend verbracht. Insofern ist es immer, wie nach Hause kommen für mich, wenn ich nach MV komme.

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2 x 2 Freikarten für die nächste
Veranstaltung aus der Reihe
„hmt: Fokus Film“ am 24. April 2019
um 19:30 Uhr in der hmt Rostock.
Zu Gast bei Andreas Dresen:
Schauspieler Alexander Scheer.

Schreiben Sie uns eine E-Mail
bis zum 10. April 2019 an info@mv-tut-gut.de
Stichwort „Verlosung“.

Gewinnspielbedingungen

Sie haben schon als Jugendlicher Filme gedreht. Was hat Sie dazu inspiriert?

Mein Papa hat mir im zarten Alter von zwölf Jahren eine kleine Schmalfilmkamera geschenkt. Da habe ich angefangen, meine ersten kleinen Filmversuche zu machen. Die ersten waren mit Schulfreunden; wir haben kleine satirische Geschichten über den DDR-Alltag erzählt. Diese Filme haben wir dann in Jugendclubs und in der Schule gezeigt, und es war immer sehr schön, mit den Leuten ins Gespräch zu kommen.

Wie sehen Sie MV aus dem Blickwinkel des Regisseurs heute?

MV hat viel zu bieten zum Geschichtenerzählen. Ich meine damit vor allen Dingen die Menschen. Wir sollten Geschichten erzählen, die von der Wirklichkeit eines Landes handeln, und ich würde mir wünschen, dass hier investiert wird, denn es gibt viele Talente im Land, und man muss die Chance haben, die zu entwickeln und zu fordern.

Seit dem Sommersemester 2018 unterrichten Sie Filmschauspiel an der hmt Rostock. Warum?

Ich finde, es hat einen unglaublichen Reiz, etwas aufzubauen. Und die jungen Schauspieler zu erleben, ist extrem beglückend. Es ist ja nicht so, dass ich hier nur als Gebender bin, sondern ich bekomme auch ganz viel – und das ist sehr schön.

Und was wollen Sie Ihren Studierenden mit auf den Weg geben?

Den Mut zum Risiko, weil ich glaube, den braucht es bei der künstlerischen Arbeit. Häufig haben wir Angst, zu scheitern, denn wir müssen ja immer alle besonders erfolgreich, reich und schön sein – das setzt uns unter Druck. Wenn man sich wiederum zu sehr unter Druck setzt, hat man Angst, dass es schiefgehen könnte. Wenn man Angst hat, dass es schiefgehen kann, traut man sich nichts, und wenn man sich nichts traut, ist man sowieso schon mal gescheitert.

Andreas Dresen wurde 1963 in Gera geboren und wuchs in Schwerin auf. Der Filmregisseur ist besonders für einen realistischen und halbdokumentarischen Charakter seiner Filme bekannt. Seit 2018 lehrt er Filmschauspiel an der Hochschule für Musik und Theater in Rostock.

Insofern ist es meine Aufgabe, den jungen Schauspielern Mut zu machen, sich in für sie noch unbekanntes Terrain zu begeben. Dass sie lernen, Vertrauen zu haben, und sehen, dass sie, wenn sie sich auf ihre Persönlichkeit verlassen, ganz viel erreichen können.

Gibt es denn einen Lieblingsort an der hmt für Sie?

Nein, es gibt keinen bestimmten Lieblingsort, aber der Katharinensaal ist zum Beispiel wunderschön. Davon können viele Hochschulen nur träumen, so einen Saal zu haben, auch mit diesen technischen Möglichkeiten.

Sie verstehen sich als Netzwerker in der Filmbranche. Was möchten Sie in MV bewegen?

Ich weiß gar nicht, ob ich hier wirklich sehr viel bewegen kann, in der Filmbranche. Hier gibt es sehr viele Leute, die schon aktiv sind und eine tolle Arbeit machen. Ich berate gern mit meinen Erfahrungen, wenn das gewünscht ist, und versuche, Dinge einzubringen, von denen ich das Gefühl habe, die könnten der Filmlandschaft hier guttun, also zum Beispiel eine Gesprächsreihe an der hmt zu machen, wo Gäste aus der Filmbranche Rede und Antwort stehen. Hier in Rostock gibt es interessante junge Filmemacher. Wir werden gemeinsam kleine Filme drehen.

Wie würden Sie MV heute charakterisieren?

Mein erster Film, der in Anklam spielte, hieß Stilles Land. Und das passt schon zu Mecklenburg-Vorpommern. Es ist auch vom Naturell der Menschen eher ein ruhigerer Landstrich. Ich mag das sehr, weil, wenn man die Menschen erobert hat und sie einen in ihr Herz geschlossen haben, ist das so eine Herzlichkeit hier, die ich wahnsinnig schätze. Ich mag die Menschen, ich mag den Dialekt. Ich liebe die Landschaft. Die Rapsfelder im Mai, wunderbar, wenn ich nach Schwerin zum Filmkunstfest fahre! Hinterm Dreieck Wittstock beginnt das für mich, wo die Landschaft sich so öffnet und die Hügel anfangen. Und wenn dann schönes Wetter ist und der Raps leuchtet, ist das für mich was Wunderbares, da atmet mein Herz durch. Das findet man in Mecklenburg-Vorpommern.

Eindrücke vom Making-Of (Bilder: Timo Roth)