Der letzte Schrei

Kurzkrimi Von Diana Salow

Das Schweriner Schloss (Bild: jozef_b, iStock)

Unsere Gastautorin Diana Salow lebt am Rande der Landeshauptstadt Schwerin. Sie arbeitet als Managementassistentin im Schweriner Schloss und schreibt in ihrer Freizeit Kriminalromane für den Hinstorff Verlag Rostock. Sechs Bücher hat sie bereits veröffentlicht, aus denen sie in Deutschland, Österreich und auf Kreuzfahrtschiffsreisen liest. (Bild: Diana Salow)

www.dianasalow.de 

Der letzte Schrei – das war das Motto der Modenschau, die im Schweriner Schloss, perfekt ausgeleuchtet, live im Fernsehen übertragen und zu einem Desaster wurde. Die zusätzlich beschafften Heizstrahler und die exklusive Ausleuchtung waren wohl zu viel für das Stromnetz innerhalb des Schlosses.

Der für das Event verantwortliche Elektriker Theo Grimm hatte sich seit einigen Tagen hinter einem schweren Samtvorhang im Thronsaal versteckt und heimlich Fotos von den acht Models geschossen, die für die Show probten und dafür im Minutentakt ihre Kleidung wechselten. Die Bilder hatte er anonym ins Internet hochgeladen. Sie erfreuten sich mit Tausenden Klicks größter Beliebtheit unter Voyeuren aller Altersklassen.

Nach Abbruch der Show, genau eine Stunde vor Mitternacht, lag Grimm tot auf dem Platz vor dem Theater, nur einen Steinwurf vom Schloss entfernt, in einer großen Blutlache. Der Direktor des Schlossmuseums hatte einen Streit zwischen der Chefdesignerin und der Elektrofirma am Abend nicht schlichten können. Das Wortgefecht eskalierte. Jeder schob jedem die Verantwortung für die geplatzte Show aufgrund eines plötzlichen Stromausfalls zu.

Noch in derselben Nacht nahm Kommissar Thomas Berger erste Ermittlungen auf. Er benötigte am nächsten Tag nicht lange, um festzustellen, wem das Lederarmband mit der silbernen Petermännchen-Figur gehörte. Das Petermännchen, ein sagenumwobener Kobold, der angeblich im Schloss lebte, Menschen belohnte oder für ihr Handeln bestrafte. Jedes der acht Models hatte eines der Armbänder als Geschenk bekommen. Eine von ihnen musste es bei einer heftigen Rangelei verloren haben.

Berger ließ in der Schweriner Designschule alle beteiligten Models zusammenrufen, um zu sehen, welche der Damen nicht mehr im Besitz ihres Souvenir-Armbands war. So schnell hatte Berger bisher noch keinen Mordfall aufgeklärt. Er nahm das Model Antje Behr fest und dachte dabei an die Sagen vom Petermännchen, besonders um dessen Rachegelüste. Behr wollte dem von ihr überführten Theo Grimm einen Denkzettel für seine schmuddeligen Fotos verpassen. Dass Grimm hierbei so unglücklich auf den Kopf stürzte und sich einen Schädelbasisbruch zuzog, das war nicht das Ansinnen der jungen Frau gewesen. Grimm hatte seine Schnappschüsse teuer bezahlt.

Makaber und dennoch passend also – der Modeausspruch Der letzte Schrei. Antje Behr gab später zu, Grimm unter den Augen ihrer Freundinnen einen gezielten Schlag versetzt zu haben. Er war nur kurz getaumelt und hart auf das Kopfsteinpflaster vor dem Theater geschlagen. Noch lange hallte sein Schrei in ihr und den Models nach.