Heimat Greifswald

Leben

Der Marktplatz von Greifswald (Bild: Fotolia)

Es ist die Zeit der Hanse, die Greifswald im 14. Jahrhundert aufblühen lässt. Als ihr berühmtester Sohn, der Maler Caspar David Friedrich, 1774 geboren wird, ist die Stadt längst Anziehungspunkt für Studierende aus dem ganzen Ostseeraum. Die Strahlkraft als Wissens- und Forschungszentrum weit über Vorpommern hinaus lockt heute immer mehr Menschen her.

Text von Marieke Sobiech

Eine der wichtigsten Kultur-Akteurinnen in Greifswald: Kunsthistorikerin Caroline Barth leitet das Caspar-David-Friedrich-Zentrum. (Bild: Silke Winkler)

Zu jenen, die hier am Bodden – zwischen den Ostseeinseln Rügen und Usedom – buchstäblich gelandet sind, zählt Caroline Barth. Die Saarländerin kam 2008 zum Studieren her. Nun verwaltet sie einen Teil des kulturellen Stadterbes: Seit Februar ist sie Geschäftsführerin des Caspar-David-Friedrich-Zentrums, das seinen Sitz im ehemaligen Wohnhaus der Familie hat. Nicht nur eine Ausstellung rund um Leben und Wirken des Romantik-Künstlers ist dort untergebracht, auch zeitgenössische internationale Kunst findet Platz in der Galerie.

Von Caspar David Friedrich hatte Caroline Barth in der Schule gehört, von Greifswald nicht. Doch nach dem Abitur schenkte sie ihr Herz spontan der Stadt am Fluss Ryck und erteilte Berlin samt dortigem Studienplatz eine Abfuhr: „Die Nähe zum Wasser, die beschauliche Größe, die Uni mit der deutschlandweit einzigartigen Option, Bildende Kunst und Kunstgeschichte gleichzeitig zu studieren, all das war ausschlaggebend.“ Caroline Barth gründete während ihrer Studienzeit ein Kunstkollektiv mit, etablierte mit Freundinnen und Freunden das „KinoAufSegeln“ in der Museumswerft. „Die direkten Drähte zueinander machen vieles hier möglich.“ So erfuhr die 32-Jährige Kunsthistorikerin auch von der Stellenausschreibung, während sie mitten in ihrer Masterarbeit steckte. Sie bewarb sich, ohne große Zuversicht. Der Rest ist moderne Geschichte.

Prof. Dr. Johanna Weber lenkt die Geschicke der traditionsreichen Greifswalder Universität als erste Rektorin seit der Gründung 1456. (Bild: Kilian Dorner/Universität Greifswald)

Positive Signalwirkung

Geschichte hat auch Professorin Johanna Weber geschrieben. Sie ist Greifswalds erste Rektorin seit der Universitätsgründung 1456. Vor 25 Jahren begann die in Rheinland-Pfalz geborene Hochschullehrerin, das hiesige Institut für Psychologie neu aufzubauen. Sie blieb in Greifswald – auch nach einem Ruf in den Süden Deutschlands: „Ich fühle mich eng verbunden mit der Stadt und der traditionsreichen Universität. Hier kann ich aktiv mitgestalten.“

Weber ist sich der anhaltenden Signalwirkung ihrer Wahl als Rektorin bewusst: „Nach 351 männlichen Amtsinhabern erste Rektorin zu sein, ist ein Zeichen an alle Wissenschaftlerinnen, dass Gleichstellung auch für Führungspositionen gilt.“ Für rund 6.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und 11.000 Studierende trägt Johanna Weber die Verantwortung. Von einer „Universität mit Stadt drum herum“ spricht mancher augenzwinkernd angesichts der Einwohnerzahl von 58.000.

Elisabeth Möbius hegte schon lange den Traum vom eigenen Unternehmen. Dass sich dieser fernab der Großstädte erfüllen würde, hätte sie während ihrer ersten Berufsjahre in Hamburg nicht gedacht.
(Bild: Silke Winkler)

Die vielen Studierenden aus dem In- und Ausland sind auch für ansässige Unternehmerinnen wie Elisabeth Möbius wichtig. Die gebürtige Greifswalderin ist aus Hamburg zurück in ihre Heimatstadt gekehrt. Hier hat sie sich 2016 mit der Online-Agentur „Webtimum“ selbstständig gemacht. Von Beginn an setzte die 31-Jährige auch auf Studentenjobs. Die Kompetenzen ihres Teams nehmen sowohl lokale Händler als auch internationale Online-Shop-Betreiber in Anspruch.

Ihre Entscheidung, der Sehnsucht nach Familie und Ostsee nachzugeben, hat Möbius nicht bereut: „Viele fanden meinen Weg in die Selbstständigkeit mutig, hatten Zweifel, ob das Geschäftsmodell in Greifswald funktionieren kann. Aber ich wusste, dass ich mehr zu gewinnen als zu verlieren hatte.“ Für ihr Start-up ist sie viel unterwegs, gerade hat sie eine Messe auf Mallorca besucht. Doch stets kehrt sie zurück nach Greifswald, zum Hafen, den Giebelhäusern, der Klosterruine, dem Wasser. Genau wie einst Caspar David Friedrich.