Kleine Schritte, großer Erfolg

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Strandkorbgespräch mit Dr. Sylva Rahm-Präger

Frau Dr. Rahm-Präger im Strandkorb. (Bild: Timo Roth)

Nach ihrer Zeit als Wissenschaftlerin in Berlin zog es Dr. Sylva Rahm-Präger zurück in ihre Heimat, auf die Insel Rügen. Im Garten ihres Molkereibetriebes „Rügener Inselfrische“ erzählt die Unternehmerin von den Herausforderungen, die die Gründung einer Molkerei mit sich brachten, verrät, was gute Produkte ausmacht und warum ihr Herz für die größte Ostseeinsel Deutschlands schlägt.

Frau Dr. Rahm-Präger, arbeiten, wo andere Urlaub machen – hat Sie das nach Rügen gezogen?

Dr. Sylva Rahm-Präger: Nicht so ganz. Ich bin hier aufgewachsen, habe dann lange in Berlin und Hannover gewohnt. Als meine Tochter acht Jahre alt war, wollte ich ein Zuhause, wo sie gut aufwachsen kann.

Nach Ihrer Promotion haben Sie eine eigene Molkerei gegründet. Das klingt nach Mut und harter Arbeit. Erinnern Sie sich noch an Ihre Anfänge?

Ja! Diese Anfänge sind prägend für den ganzen Rest des Geschäftslebens. Man geht sehr vorsichtig mit allem um: mit den Kunden, mit dem Geld. Ich habe am Anfang gelernt, wie schwer das ist. Es ist nicht selbstverständlich, dass die Produkte im Markt angenommen werden. Das muss man sich hart erarbeiten. Wir haben fünf Jahre gebraucht, ehe wir sagen konnten, die Produkte sind wenigstens auf der Insel etabliert.

Sie sind Mitglied im Rügen Produkte Verein e. V., der die Herstellung regionaler Erzeugnisse fördert und auch die artgerechte Tierhaltung überwacht. Was macht ein gutes Produkt aus?

Ein Produkt ist gut, wenn es natürlich ist, einen kurzen Weg zum Verbraucher hat, und wenn wir nachvollziehen können, wo die Milch, das Fleisch oder das Getreide herkommt.

In Ihrem Unternehmen arbeiten vorwiegend Frauen, alle aus der Region. Haben Frauen ein besonderes Händchen für Quark und Joghurt?

Frauen haben zumindest eine Affinität zu diesen Produkten. Männer essen in der Regel mehr Fleisch und arbeiten auch mehr in den fleischverarbeitenden Betrieben. Unsere Frauen haben zudem eine große Bereitschaft, mitzuwirken, wenn es um Rezepte geht. Wir entwickeln unsere Produkte ja alle selbst.

Dr. Sylva Rahm-Präger wurde im sächsischen Riesa geboren und kam mit zwei Jahren auf die Greifswalder Oie. Nach ihrem Studium der Agrarwissenschaften gründete sie ihren eigenen Molkereibetrieb „Rügener Inselfrische“, zu dem heute ein Café und ein Hofladen gehören.

Sie sind ein tolles Beispiel für mutigen Unternehmergeist. Wie schätzen Sie die Perspektiven für kleine und mittelständische Unternehmen Ihrer Branche in MV ein?

Ich glaube, dass wir hier ein großes Potenzial haben. Wir haben auf Rügen etwa 5,2 Millionen Gästeübernachtungen und im gesamten Bundesland circa 29 Millionen. Das sind alles Botschafter, die unsere Produkte konsumieren, die sich freuen, wenn sie hier was Besonderes bekommen, und die vielleicht den Wunsch haben, diese Produkte auch zu Hause zu haben.

Was raten Sie jungen Menschen, die sich selbstständig machen wollen?

Ich rate ihnen, sich den Mut zu nehmen, es einfach zu machen und nicht so viel darüber nachzudenken, was alles dranhängt. Wenn man das erst einmal weiß, dann verliert man eher den Mut.

Was ist an der Insel Rügen für Sie besonders?

Wir sind auf Rügen ein bisschen zurückhaltender, aber das macht auch den Charme aus. Hier zählt unter Partnern noch ein Handschlag. Die Landschaft ist toll und es wird viel geboten: Meine Tochter spielt Beach-Volleyball mit ihrem gesamten Freundeskreis. Die sind ab Mai am Strand. Ich selbst reite, und im Freundeskreis haben wir viele Segler.

Haben Sie einen Geheimtipp für Rügen?

Ich liebe das Mönchgut mit den alten Fischerdörfern und ihren kleinen Restaurants; die Fischer, die morgens aufs Meer rausfahren und abends frischen Fisch anbieten. Das ist sehr schön.

Wo steht Ihre „Rügener Inselfrische“ in fünf Jahren? Denken Sie zum Beispiel darüber nach, zu expandieren?

Expandieren ist so ein großes Wort. Wir gehen in kleinen Schritten. Wir haben vor 21 Jahren begonnen und seitdem die Produktion vervierfacht. Gerade haben wir eine neue Werkhalle gebaut und einen neuen Tank eingeweiht, sodass wir auch mehr Milch verarbeiten können. Ich denke, dass wir erst mal sicher auf diesem Weg weitergehen: kleine Schritte, sichere Schritte.