Stolz auf MV

Leute

Manuela Schwesig

Ministerpräsidentin Manuela Schwesig im Strandkorb (Bild: Timo Roth)

Erfolgreiche Landes- und Bundesministerin und seit 2017 Ministerpräsidentin des Landes Mecklenburg-Vorpommern: Manuela Schwesig spricht 30 Jahre nach dem Fall von Mauern und Stacheldraht mit uns über ihr Land und ihre Liebe zu MV.

Frau Ministerpräsidentin Schwesig, wir sind hier im Staatlichen Museum Schwerin, in der Ausstellung des Malers Malchin, der als Begründer der mecklenburgischen Landschaftsmalerei gilt: Was ist Heimat für Sie?

Manuela Schwesig: Heimat ist genau das, was wir hier sehen: die unheimlich schöne Natur dieses Landes. Und das Bezaubernde ist, dass das, was der Maler vor vielen Jahren gemalt hat, immernoch da ist. Mecklenburg-Vorpommern ist einzigartig, was seine Natur angeht.

Entdeckt man in Ihrem Amt auch Heimat neu?

Auf jeden Fall. Ich lebe in diesem Land mit meiner Familie, ich arbeite hier. Immer, wenn ich im Land unterwegs bin, vor allem im Landesinneren, wo unberührte Natur ist, verliebe ich mich jedes Mal neu in dieses Land.

Wir sind im 30. Jahr nach dem Mauerfall. Hat MV durch dieses Ereignis noch mal an Schönheit gewonnen?

Auf jeden Fall hat unser Land auch durch die Wiedervereinigung gewonnen. Erstens vergisst niemand von uns, der dabei war, den 9. November. Er hat uns viel Gutes gebracht.  Wir hatten die Chance, nach der Wende die Innenstädte und Ostseebäder, die schon längst verfallen waren, wiederherzustellen. Wenn man heute durch Schwerin geht, dann sind alle begeistert davon, wie sich diese Stadt entwickelt hat. Das gilt für viele Dörfer und andere Städte im Land. Wir haben auch viel in den Umweltschutz investiert. Wir haben drei von 16 Nationalparks in Deutschland nach der Wende errichtet.

Manuela Schwesig, geboren in Frankfurt/Oder, ist Diplom-Finanzwirtin und kam im Jahr 2000 nach Schwerin, wo sie sich zunächst erfolgreich in der Kommunalpolitik engagierte. Seit 2017 ist sie SPD-Landesvorsitzende in MecklenburgVorpommern.

30 Jahre Einheit sind also vor allem ein Grund zu feiern?

Ja, 30 Jahre Mauerfall, nächstes Jahr 30 Jahre Deutsche Einheit sind ein Grund zu feiern. Natürlich gibt es auch Sorgen und Nöte, die deshalb nicht weg sind. Es gibt auch Unzufriedenheit, wenn es um die soziale Einheit geht. Aber wenn man immer schaut, wie viel im Glas ist, dann würde ich sagen, es ist mehr als halb voll.

Wie haben Sie selbst die Stimmung in den 00er Jahren, in denen Sie nach MV kamen, erlebt?

Ich war als Kind schon oft in MV, denn der Lieblingsurlaubsort meiner Eltern war die Ostsee, und das ist sie auch für mich heute mit meiner Familie. Als ich meinen Mann, einen Ur-Mecklenburger, kennenlernte, war für mich ganz klar: Ich verliebe mich nicht nur in ihn, sondern auch in dieses Land. Und nach der Wende haben wir alle dieses tolle Gefühl erlebt von Freiheit, von Aufbruch, aber auch das Beängstigende, weil man gesehen hat, es gibt Probleme. Ich bin sehr froh, dass wir viele Herausforderungen überwunden haben, und heute können wir stolz auf ein Land schauen, was sich unheimlich toll entwickelt hat, vor allem durch die Leistungen der Bürgerinnen und Bürger.

Das Land fühlt sich heute anders an? 

Wir hatten Massenarbeitslosigkeit, auch Massenabwanderung. All das hat sich endlich positiv entwickelt. Wir haben die geringste Arbeitslosigkeit, wir haben offene Stellen, wir haben gute Beschäftigung. Wir haben Menschen, die zurückkommen, weil sie sagen: Hier finde ich einen Job, hier will ich, dass meine Kinder groß werden. Das ist natürlich ein schönes Gefühl.

Gibt es in dem Zusammenhang ein Vorurteil über MV, über das Sie sich ärgern, wenn Sie es hören?

Es gibt ja diesen Spruch von Bismarck, in Mecklenburg-Vorpommern ist alles irgendwie 50 Jahre später. Das ist in manchen Sachen gar nicht schlecht. Bei uns ist vielleicht die Geschwindigkeit nicht so hoch wie in der ganzen Welt. Das empfinden viele Leute hier aber als angenehm. Auf der anderen Seite sind wir bei vielen Sachen längst Vorreiter: im Bereich Umwelt und auch bei der Familienfreundlichkeit. Also, MV ist einerseits viel schneller in den guten Dingen des Lebens, als manche so denken. Anderseits kann man mit und bei uns auch mal zwei Gänge zurückschalten.