Tradition trifft Innovation

Leute

(Bild: Universität Rostock / ITMZ)

Zeitreise: 1419 beginnt die Geschichte der Universität Rostock. Die Gesellschaft ist  stolz auf den internationalen Handel, ihre Hansestadt und sie träumt davon, eine eigene Universität zu etablieren. Die ersten Lehrveranstaltungen finden im Rathaus statt. In den vergangenen 600 Jahren hat sich die Universität zu einem Leuchtturm der Bildung entwickelt, berühmte Persönlichkeiten haben hier studiert und modernste Forschungsbereiche sind in der Hanse- und Universitätsstadt angesiedelt. 

Text von Katharina Roese

Rektor der Universität Rostock: Prof. Wolfgang Schareck. (Bilder: Katharina Roese)

Bereits von Weitem ist das eindrucksvolle Gebäudeensemble am Universitätsplatz zu sehen, ein Zentrum des Wissens seit 600 Jahren. „Traditio et Innovatio“, unter diesem Motto begeht die Universität Rostock aktuell ihr Jubiläumsjahr. Der Handel hatte die Stadt weltoffen und reich gemacht. Was fehlte, war eine Universität. 1419 wurde diese gegründet und ist damit die älteste und traditionsreichste Bildungseinrichtung im Ostseeraum.

„Zunächst wurden drei Fakultäten aufgebaut, die juristische, die medizinische und die philosophische. Wenig später folgte die theologische Fakultät“, erzählt der Rektor der Universität, Professor Wolfgang Schareck. Seither hat sich einiges getan: „Aktuell haben wir neun Fakultäten, 150 Studiengänge und 13.300 Studierende.“

Die Uni bietet ein breites Spektrum an Disziplinen, darunter einige besondere Fächer wie Medizinische Informationstechnik, Unterwasserbiologie oder Unterwasserarchäologie und dazu passend die Ausbildung zur Forschungstaucherin und zum Forschungstaucher.

»600 Jahre nach Gründung der Universität Rostock haben wir neun Fakultäten und über 150 Studiengänge.«
PROF. WOLFGANG  SCHARECK

Zudem glänzt Rostock mit einer Interdisziplinären Fakultät. Sie verbindet Forschende und Studierende aller Fachrichtungen in den vier Departements: „Leben, Licht und Materie“, „Maritime Systeme“, „Altern des Individuums und der Gesellschaft“ sowie „Wissen – Kultur – Transformation“. „Mit diesen Clustern wollen wir neue Schwerpunkte schaffen, die auch überregional sichtbar sind“, erklärt Professor Schareck. „Hier werden die Bereiche zur Zusammenarbeit angeregt, die für sich mit ihren Arbeiten schon exzellent dastehen. So werden spannende Erkenntnisse gewonnen.“ Und die sind international geschätzt.

Jan Fuhrmann entwickelt an der Universität Rostock neue Testverfahren für die Automobilindustrie. (Bilder: Katharina Roese)

Das bestätigt Dr. Jan Fuhrmann. Der 33-Jährige ist als wissenschaftlicher Mitarbeiter im Bereich Leistungselektronik und Elektrische Antriebe der Universität Rostock tätig. Er entwickelt neue Testverfahren für die Automobilindustrie. „Wir arbeiten sehr nah an der industriellen Forschung und haben einen ziemlich guten Stand bei der Industrie“, erzählt er.

An seinem Arbeitsplatz, einem großen Labor, betreut der Ingenieur Studierende im Fach „Einführung in die digitale Umrichtersteuerung“. Dr. Fuhrmann zeigt auf einen kleinen Audi: „Um das Thema greifbarer zu machen, habe ich den in der letzten Elternzeit konzipiert“, sagt er und lacht. Der 33-Jährige ist nicht nur in Forschung und Lehre tätig, er ist auch Vater von drei Söhnen. „Familie ist super mit dem Job hier vereinbar“, sagt er. „Zur Mittagszeit gehe ich nach Hause, dann komme ich wieder her und arbeite an meinem Projekt.“

Ärztin und ehemalige Studentin der Universität Rostock Wiebke Gehm engagiert sich für kranke Kinder. (Bilder: Katharina Roese)

Auch Wiebke Gehm arbeitet an einem wichtigen Projekt – die 26-Jährige hat in Rostock Medizin studiert, an einer der Gründungsfakultäten der Universität. Sie ist Studentin des Jahres 2019, arbeitet als Ärztin und ist leitendes Mitglied der studentischen Initiative „TNA Tommy nicht allein“. „Das Projekt begann damit, dass Medizinstudentinnen und -studenten auf der Kinderstation Tommy kennenlernten. Er war oft allein und hat viel geweint“, erzählt Wiebke Gehm. „Sie haben gemerkt, wie er aufgeblüht ist, wenn sie Zeit mit ihm verbrachten.“

Die Studierenden waren sich einig sie wollten für Tommy da sein. Mit dem Projekt TNA leisten sie seit 2015 eine Eins-zu-eins Betreuung akut sowie chronisch kranker Kinder in der Uniklinik. Sie spielen mit ihnen, lenken sie ab, sorgen für Betreuung im Notfall und unterstützen die Familien. „Es gibt viele Kinder, bei denen Bedarf besteht, sie freuen sich unglaublich, wenn jemand kommt und sich mit ihnen beschäftigt“, berichtet die Ärztin. Sich hier zu engagieren ist für Wiebke Gehm Teil des Arztberufes: „Auch die soziale Komponente im Heilungsprozess darf nicht vernachlässigt werden.“

(Bild: Universität Rostock / ITMZ)

„Traditio et Innovatio“: Um das 600-jährige Jubiläum gebührend zu feiern, werden vom 8. bis zum 12. November Festtage an der Universität Rostock stattfinden. Geplant sind u. a. das internationale Symposium „Die Zukunft der interdisziplinären Forschung“, Kunst- und Kulturfeste, ein Jubiläumsball, ein Alumni-Treffen sowie ein Festumzug und ein Akademischer Festakt.

www.uni-rostock.de