Aus Schwerin in die Welt

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Angelika Zimmermann studierte an der Hochschule für Technik und angewandte Wissenschaften in Karlsruhe Maschinenbau. 2008 gründete sie gemeinsam mit ihrem Mann in Markdorf die ZIM Flugsitz GmbH, seit 2017 produziert das Unternehmen in Schwerin. Als Geschäftsführerin leitet Angelika Zimmermann die Bereiche Qualitätsmanagement und Personal.
(Bild: Christian Möller)

Vom Bodensee an den Schweriner See:
Das Ehepaar Zimmermann kam aus Markdorf in Baden-Württemberg und brachte das halbe Familienunternehmen mit. ZIM Flugsitz GmbH gehört zu den größten Produzenten von Flugzeugsitzen für Flugzeughersteller der zivilen Luftfahrt. Angelika Zimmermann steht dabei für Innovation und Unternehmergeist an einem Standort, den sie selbst „traumhaft“ nennt. Im Strandkorb erzählt sie von der abenteuerlichen Idee, vom Süden in den Norden zu gehen, und von MV, ihrer neuen, zweiten Heimat für Unternehmen und Familie.

Qualifizierte Arbeitskräfte als ausschlaggebender Punkt für die Standortwahl.
(Bild: ZIM Flugsitz GmbH)

Frau Zimmermann, wie lange muss man es eigentlich in einem ganz normalen Economy-Sitz aushalten können?

Angelika Zimmermann: Unser Anspruch ist es, dass Sie gut aussteigen können, auch wenn Sie einen Langstreckenflug von 10 bis 12 Stunden hinter sich gebracht haben. Und das an jedem Ort der Welt.

Und das fordern die Kunden dann auch von Ihnen?

Angelika Zimmermann: Ja, gerade wir als in dieser Branche kleines Unternehmen gewinnen das Vertrauen dadurch, dass wir sehr individuell auf die Kundenwünsche eingehen. Dazu gehört, dass wir berücksichtigen, wie lange ein Kunde die überwiegende Zeit sitzt. Darauf aufbauend werden dann zum Beispiel Sitzworkshops initiiert, um auf die individuellen Bedürfnisse einzugehen.

Sie waren zuvor lange als Dienstleister tätig. Wann kam tatsächlich der Moment zu sagen: Wir stellen jetzt Flugzeugsitze her?

Angelika Zimmermann: Der Switch kam etwa 2008/2009, wobei das eine Vorgeschichte hatte. Mein Mann und ich sind beide Ingenieure, und für einen Ingenieur gehört bei einem Arbeitsergebnis einfach dazu, dass man es auch fühlen kann. Insofern war vom ersten Tag unserer Selbstständigkeit vor mehr als 20 Jahren klar, dass wir irgendwann etwas produzieren werden. Wir haben dann überlegt, welcheQualifikationen wir im Unternehmen haben und uns dann ganz bewusst für Flugzeugsitze entschieden.

Und jetzt sind Sie in Schwerin. Warum haben Sie sich für MV als neuen Produktionsstandort entschieden?

Angelika Zimmermann: Wir haben nach einem Standort gesucht, der verschiedene Vorteile für uns verbindet. Das ist zum einen die Lage mit der entsprechenden Infrastruktur, zum anderen die Situation auf dem Arbeitsmarkt. Wir benötigen überaus qualifizierte Arbeitskräfte, und die finden wir hier. Was uns dabei wirklich zugutekommt, ist die hiesige Hochschullandschaft. So haben wir seit einem Jahr ein paar junge Akademiker aus Wismar bei uns in der Konstruktion, die sich bereits jetzt als wertvolle Stütze für unser Unternehmen erwiesen haben. Ein weiterer sehr wichtiger Punkt war sicherlich die unternehmerfreundliche Atmosphäre hier im Land. Wir haben jegliche Unterstützung bekommen.

Kannten Sie MV vorher?

Angelika Zimmermann: Nein. Wenn Sie vom äußersten südlichen Zipfel kommen, verbringt man ein Wochenende eher in Italien als im Norden Deutschlands. Tatsächlich waren wir zum ersten Mal hier, als wir verschiedene Gewerbegebiete anschauten. Wirwaren von Anfang an von dieser Landschaft und der Region fasziniert. Das hat sich im letzten Jahr bewahrheitet. Insbesondere unsere asiatischen Kunden bitten inzwischen darum, wenn Besprechungen sind, dass diese in Schwerin stattfinden.

Nach rund einem Jahr im Land, wie sehen Sie MV heute?

Angelika Zimmermann: Wir leben nun in zwei Regionen mit Wasser, die ursprünglich einen Schwerpunkt auf der Landwirtschaft wie auch im Tourismus hatten. Die großen Vorteile der Gegend hier sind sicher das gemeinsame Bestreben von Stadt, Land, Behörden und Umweltschutz, die Region wirtschaftlich weiterzubringen. Das war für uns eine sehr interessante und faszinierende Erfahrung.

Haben Sie selbst eigentlich hin und wieder Zeit, das Land zu entdecken?

Angelika Zimmermann: Bisher bleibt es leider bei den guten Vorsätzen. Wir haben hier immer etwas zu tun, sodass die Freizeit hintenansteht. Aber wir haben am Anfang zwei Fahrräder angeschafft und betrachten beim Joggen oder eben bei einer kurzen Radtour immerhin schon mal die wunderschöne Landschaft in und um Schwerin.