Mit Liebe für die Region

Leute

(Bild: Claas Abraham)

Er ist Schleswig-Holsteiner. Sie stammt aus MV und war einige Jahre in Deutschland unterwegs. Heute nennen die Schillings eine Insel vor der Insel Rügen ihr Eigen, dazu einen Gasthof, eine Rinderzucht und eine Marke im Aufbau – gemeinsam mit den Fischern der Region. Mathias und Nicolle Schilling arbeiten und leben in einer der schönsten Ecken Deutschlands. Ihre Projekte sorgen für Gesprächsstoff – heute im Strandkorb.

Wo sind wir hier eigentlich und wie seid ihr zu dem wunderbaren Refugium gekommen?

Mathias Schilling: Herzlich willkommen am Rande der Welt; so sehen wir das. Schaprode ist der westlichste Ort von Rügen und gegenüber liegt die Insel Öhe. Sie ist seit 700 Jahren in Familienbesitz und der Grund, weshalb wir wieder hergekommen sind.

Wir verlosen

ein Feinschmeckerpaket mit regionalen Produkten von den Inseln Rügen und Hiddensee. Schreiben Sie uns eine E-Mail bis zum 20.04.2018 an info@mv-tut-gut.de Stichwort „Verlosung“.

Und was macht man mit einer Insel?

Mathias Schilling: Nun ja, das ist vielleicht ein bisschen naiv: Wir wollten auf unseren Salzwiesen Rinder züchten und haben gedacht, dass wir das gut vermarkten können. Als 2011 der Dorfgasthof in Schaprode verkauft wurde, haben wir allen Mut zusammengenommen. Mittlerweile haben wir einen gut funktionierenden Landgasthof.

Nicolle Schilling: Ich habe etwas ganz anderes gemacht, in meinem „ersten Leben“. Aber es gab immer auch den Wunsch, zurück aufs Land zu kehren. Ursprünglich sind meine Wurzeln hier in MV und irgendwann treibt es einen wieder in die Heimat zurück

Nach den Rindern kam der Fisch. Ihr unterstützt regionale Fischer mit dem „Hiddenseer Kutterfisch“. Was steckt dahinter?

Mathias Schilling: Wir haben erkannt, dass die Fischerei durch das Leerfischen der Weltmeere ein angeschlagenes Image hat. Und zugleich ist unsere Kleinfischerei nicht überlebensfähig, weil diesen Fisch offenbar keiner wertschätzen möchte. Dabei suchen die Menschen ursprüngliche Dinge, mit Liebe und traditionell Gefischtes. Da haben wir uns gesagt, lass uns den wenigen Fisch, den wir haben, wertvoller und kulinarisch interessanter machen, anstatt immer mehr Fisch zu haben für immer weniger Geld.

Wie habt ihr das umgesetzt?

Nicolle Schilling: Das war ein ganz, ganz langer Weg. Das hat sich entwickelt. Es war lange Thema, dass es hier tolle Sachen gibt, die verloren gehen. Da muss man doch irgendetwas mit machen können. Die Idee, mehr aus dem heimischen Fisch zu machen, war immer da. Und auch die tollen Fischer. Das sind ja Menschen mit ganz vielen Geschichten und mit viel, viel Tiefgang. Jetzt arbeiten wir gemeinsam an einem wertvollen Produkt.

Wie würdet ihr dieses Land, auch im Zuge dessen, wie ihr es jetzt kennengelernt habt, beschreiben?

Mathias Schilling: Es ist ein Land der Möglichkeiten. Wenn man sich mal genau umschaut, dann ist hier noch Platz, dann ist hier Luft. Und wenn man das Vertrauen einer Region gewonnen hat, dann kann man auch Dinge bewegen. Die Wege sind kurz, man hört aufeinander. Nicolle Schilling: Wenn du möchtest, kannst du gestalten. Du kannst dich wunderbar vernetzen und stößt auf andere Menschen mit starken Ideen – und daraus lässt sich dann etwas machen. Du hast wirklich Raum, dich zu entfalten.

Das klingt nach weiteren Plänen?

Nicolle Schilling: Also meinem Mann geht immer ganz viel durch den Kopf. Es gibt ganz viele Ideen, die da umhergeistern. Teilweise sind es Weiterentwicklungen, aber dann auch wieder etwas Neues.

Mathias Schilling: Ja, genau. Wir haben jetzt den Gasthof, dann den Hofladen. Wir haben um die Ecke einen Fisch-Hofladen. Wir sind gerade dabei, den „Hafenkater“ in Vitte zu bauen. Das wird ein großes Fischhaus, welches wir gemeinsam mit den Fischern starten. Dann kommt noch die „Tante Hedwig“, ein Regionalwarenladen, der gerade entsteht. Und wir sind dabei, eine Erzeugergemeinschaft mit Hiddenseer und Rügener Landwirten zu gründen.

Wow! Der Tag hat aber nur 24 Stunden, das wisst ihr, oder?

Mathias Schilling: Ja, ist schon klar. Aber, wenn die Dinge so naheliegend sind, dann sollte man sie tun.

Nicolle Schilling: Macht ja auch wirklich Spaß!