Volksheld auf Erfolgskurs

Leute

(Bild: Andreas Duerst/Studio 301)

Ein Seeräuber, seine Freunde und Feinde, Geliebte und Verfluchte, dazu Pferde, Greifvogel, Musik, Stunts und jeden Abend ein Feuerwerk über dem Großen Jasmunder Bodden: Mehrfach ausgezeichnet sind die Störtebeker Festspiele in Ralswiek auf der Insel Rügen, Deutschlands erfolgreichstes Open-Air-Theater-Festival. Untrennbar ist „Störti“ mit der Arbeit der Familie Hick verbunden, die das Spektakel nunmehr in zweiter Generation veranstaltet. Wir treffen Geschäftsführerin Anna-Theresa Hick und Bastian Semm, seit 2013 „Klaus Störtebeker“, zum Strandkorbgespräch in einer Probenpause.

Frau Hick, wann hat Sie dieser Ort eigentlich das erste Mal so richtig eingenommen?

Anna-Theresa Hick: Als ich vor 25 Jahren mit meinen Eltern hierhergekommen bin. Damals war hier noch Feld und ich konnte mir nicht vorstellen, wie das aussehen soll. Aber als es immer mehr Form annahm, hat mich das sehr fasziniert.

Und was ist es heute für Sie?

Anna-Theresa Hick: Das ist mein Zuhause, meine Familie. Es ist für mich der schönste Platz, und ich kann mir nicht vorstellen, irgendwo anders zu sein.

Ihre Familie hat viel Energie und künstlerische Kreativität in das Theater gesteckt. Gab es auch mal Zweifel, ob vielleicht eine andere Geschichte als die des Störtebekers erzählt werden soll?

Anna-Theresa Hick: Nein. Störtebeker gehört zu dieser Insel. Dieses Thema gehört zu diesem Theater. Und die Legende ist mit der Ostsee verwachsen – da jetzt etwas anderes zu spielen, ergäbe keinen Sinn. Außerdem kommen die Leute wieder. Sie mögen die Geschichten, die wir erzählen. Und wir haben noch ganz viele Ideen für die Zukunft.

Herr Semm, wo steckt für Sie die schauspielerische Herausforderung beim Störtebeker?

Bastian Semm: Es ist ein bisschen wie ein Triathlon. Auf der einen Seite ist das Schauspiel, auf der anderen das Reiten und Kämpfen. Aber auch die Arbeit mit den Tieren und 67 Vorstellungen lang gesund zu bleiben, sind Herausforderungen. Vor allem aber macht es wahnsinnig viel Spaß.

Frau Hick, Ihr Theater trägt sich komplett selbst. Was bieten Ihnen Rügen und die Menschen, um diese Wirtschaftlichkeit aufrechtzuerhalten?

Anna-Theresa Hick: Rügen ist eine wunderschöne Insel: Es gibt genug Platz für sehr viele Urlauber und eine gute Infrastruktur. Unser Open-Air-Event ergänzt sich toll mit den Seebädern, den Stränden und den schönen Wandermöglichkeiten. Wir sind hier auf Rügen eingebunden: Der Rüganer mag uns, und wir lieben die Rüganer.

Was macht Ihr Leben hier aus?

Anna-Theresa Hick: Auf Rügen gibt es eine wahnsinnig hohe Lebensqualität. Man hat tolle Luft, das Meer und wenn man möchte, ist man schnell in der Stadt zum Shoppen oder für einen Theaterbesuch. Das ist traumhaft. Hier ist eine größere Besinnung auf sich selbst und es ist sehr luxuriös, hier leben zu können.

Als Hauptdarsteller bleibt nicht so schrecklich viel von dem Genuss. Was mögen Sie an der Insel, Herr Semm?

Bastian Semm: Ja, das stimmt. Während der Saison spielen wir „nur abends“, aber das heißt, es geht ab 17:00 Uhr los, bis tief in die Nacht. Dennoch genieße ich es wahnsinnig, hier oben zu sein. Man entschleunigt, wenn man so direkt in der Natur ist.

Anna-Theresa Hick (*1982) ist Geschäftsführerin der Störtebeker Festspiele GmbH & Co. KG. Ihren ersten großen Auftritt auf der Störtebeker-Bühne hatte sie als Kind neben Norbert Braun, dem ersten „Störtebeker“. Bastian Semm (*1979) ist Schauspieler, Singer-Songwriter und Musiker. Seit Juni 2013 verkörperter „Klaus Störtebeker“. Er spielt außerdem den Kriminalhauptkommissar Martin Vogt in Verbotene Liebe. Semm lebt in Berlin. (Bild: Störtebeker Festspiele GmbH & Co. KG)

Frau Hick, Sie und Ihre Familie sind mehrfach geehrt worden. Ist das eine Verantwortungsbürde für die Zukunft?

Anna-Theresa Hick: Es verpflichtet, aber es ist keine Bürde. Ich trete in die Fußstapfen meiner Eltern, und es ist eine unglaubliche Herausforderung. Ob das gelingt, ist die Frage. Bisher funktionieren wir als Symbiose, als Familie sehr, sehr gut. Dieses Theater ist auch unser Leben. Es ist schön, im Team zu agieren. Und die Menschen, die für uns arbeiten, sind unsere Theaterfamilie.

Spielen Sie in zehn Jahren noch immer den Störtebeker?

Bastian Semm: Wenn ich darf, dann spiele ich ihn sehr gerne. Es gibt ja noch viel zu erzählen.

Wo sehen Sie das Theater, wo sehen Sie sich in zehn Jahren, Frau Hick?

Anna-Theresa Hick: Hoffentlich hier an diesem schönen Ort und nirgendwo anders – mit tollem Wetter, vielen Zuschauern, gesunden und glücklichen Mitarbeitern und Schauspielern und immer noch mit Störtebeker und tollen neuen Geschichten. Das wäre schön. Schöner geht es eigentlich nicht.