Zurückgekehrt, um zu bleiben

Leute

Ob ins Ausland oder in eine deutsche Großstadt – nach der Schule zieht es viele junge Menschen hinaus. Sesshaft werden möchten sie später aber doch in ihrer Heimat MV. Denn das Land bietet Lebensqualität, spannende Jobs und vieles mehr. Wir haben mit Rückkehrern gesprochen.

Text von Susann Moll

Marco Mühlner genießt mit seiner Familie gerne die Idylle in und um Neubrandenburg. (Bild: Susann Moll)

Marco Mühlner, 44

Head of Engineering bei Webasto in Neubrandenburg

Bei Volkswagen in Wolfsburg hat er mehrere Jahre den technischen Fortschritt mitgestaltet. Das macht Marco Mühlner immer noch und dafür zog es ihn nach Neubrandenburg. Bei Webasto leitet der 44-Jährige ein achtköpfiges Team von Konstrukteuren und Entwicklern, das mit dem Bau von Heizgeräten für Elektromobilität betraut ist. „Ein Zukunftsmarkt“, wie der Ingenieur sagt. Als vor 15 Jahren die Chance bestand, nach Mecklenburg-Vorpommern zurückzukehren, brauchte der gebürtige Schweriner nicht lange überlegen. Heute kann sich Marco Mühlner keinen besseren Ort vorstellen, um seine beiden Söhne aufwachsen zu sehen. Die kurzen Wege zur Arbeit, zur Kita und zur Schule ermöglichen es der Familie, so viel Zeit wie möglich miteinander zu verbringen. „Das ist für mich Luxus“, sagt Marco Mühlner.

Ein See in Mecklenburg statt Südpazifik: Anne Shepley ist bewusst nach MV zurückgekehrt. (Bild: Susann Moll)

Anne Shepley, 38

Marketing-Managerin bei corent networks in Schwerin

Nach dem Studium in Greifswald ist für Anne Shepley klar, dass sie die Welt sehen möchte. Die gebürtige Stralsunderin segelt auf dem Pazifik, bereist traumhafte Inseln, lebt und arbeitet im Anschluss mehrere Jahre in Neuseeland. Auf ihren Reisen lernt sie einen Briten kennen, der die Liebe ihres Lebens wird. Um eine Familie zu gründen, zieht es Anne Shepley dann zurück nach Mecklenburg-Vorpommern. Das Heimatgefühl habe ihr gefehlt, sagt sie. In der Nähe der Landeshauptstadt Schwerin hat sie sich mit ihrem Mann den Traum vom Eigenheim erfüllt. Dank ihres familienfreundlichen Arbeitgebers corent networks und eines guten Betreuungsangebots in der Nähe kann sich Anne Shepley in ihrem Beruf als Marketing-Managerin verwirklichen und ihrer kleinen Tochter gerecht werden.

Mirko Bröcker bewegt lieber etwas in einem mittelständischen Unternehmen als ein „kleines Rädchen in einem großen Konzern zu sein“. (Bild: Susann Moll)

Mirko Bröcker, 42

Kaufmännischer Geschäftsführer bei Anklam Extrakt

„Die Zeit in den USA war toll“, sagt Mirko Bröcker. Von 2007 bis 2009 hat der gebürtige Schweriner in Boston gelebt und gearbeitet. Doch als ihre erste Tochter geboren wurde, verspürten Mirko Bröcker und seine Frau den Wunsch, wieder näher bei der Familie zu sein. So zog es das Ehepaar zurück nach Mecklenburg-Vorpommern. Heute leben sie mit zwei Töchtern in einem Haus in Rostock und sind beruflich erfolgreich – sie als niedergelassene Psychotherapeutin und er als kaufmännischer Geschäftsführer bei Anklam Extrakt, einem Hersteller hochwertiger Pflanzenextrakte. „Beruflich finde ich hier in MV alles, was ich haben möchte“, sagt Mirko Bröcker. „Ich möchte kein kleines Rädchen in einem großen Konzern sein.“ Diese Erfahrung habe er in Boston und auch in Leipzig gemacht, nun bewegt er lieber etwas in einem mittelständischen erfolgreichen Unternehmen.

Statt in Hamburg versorgt Claudia Wendorf jetzt Patienten in ihrer Heimatstadt Greifswald. (Bild: Susann Moll)

Claudia Wendorf, 29

Operationstechnische Assistentin an der Universitätsmedizin Greifswald

Völlig anonym in einer großen Stadt leben? Das ist nichts für Claudia Wendorf. Nach mehr als fünf Jahren in Hamburg wohnt und arbeitet sie seit einigen Wochen wieder in ihrer Heimatstadt Greifswald. „Gerade wenn man sesshaft werden möchte, ist es hier einfach besser“, sagt die 29-Jährige, die vor Kurzem mit ihrem Freund zusammengezogen ist. So eine schöne große Wohnung mitten in der Stadt könnte das Paar in Hamburg nicht bezahlen. Beruflich hat sie in ihrer Heimat die gleichen Chancen wie in der Großstadt. Als operationstechnische Assistentin am Universitätsklinikum in Greifswald übernimmt sie Verantwortung für Patienten: Die junge Frau bereitet Instrumente und Geräte für den Eingriff vor, reicht sie dem Chirurgen während der OP und achtet darauf, dass der Patient stabil liegt. Ein abwechslungsreicher Job, bei dem der Adrenalinspiegel durchaus mal in die Höhe schießt, sagt Claudia Wendorf.

Carl Thiede ist an der Ostsee aufgewachsen und hat sich schon immer für den Meeresgrund interessiert. Mit seinen Unterwasser-Robotern kann dieser erforscht werden. (Bild: Susann Moll)

Carl Thiede, 39

Gründer und technischer Geschäftsführer bei Kraken Power in Bentwisch

„Wir arbeiten hier industriell – klein, aber fein – und haben diese schöne Natur um uns herum“, sagt Carl Thiede. Er entwickelt für das Unternehmen Kraken Power in Bentwisch bei Rostock Antriebssysteme für Unterwasser- Roboter. Eine kanadische Firma wollte ihn abwerben, das war für den gebürtigen Mecklenburger aber keine Option. „Meinen Job kann ich überall machen. Warum dann nicht dort, wo ich es am schönsten finde?“ Um den Kopf freizubekommen, spaziert der Ingenieur gerne am Strand entlang. Zwischen Nienhagen und Heiligendamm ist er dabei oft ungestört. Diese Ruhe fernab von vielen Menschen und Hektik hat Carl Thiede während seiner Studienzeit in Berlin vermisst. Seine Frau, eine gebürtige Berlinerin, brauchte er nicht lange von einem Umzug nach Rostock überzeugen. Sie sei gleich einverstanden gewesen, „dort zu leben, wo andere Urlaub machen“. Den verbringt das Ehepaar mit seinen zwei Töchtern übrigens am liebsten auf Zingst. „Da fahren wir gar nicht weit weg“, sagt Carl Thiede.

Tony Lassak ist in der Nähe von Anklam aufgewachsen. Ihn zieht es wieder aufs Land. (Bild: Susann Moll)

Tony Lassak, 30

Test-Ingenieur bei Webasto in Neubrandenburg

„Man merkt erst, wie stark man verwurzelt ist, wenn man woanders wohnt.“ Tony Lassak ist froh, dass er wieder in seiner Heimat lebt. Während des halben Jahrs, das der Maschinenbau-Ingenieur in Wolfsburg verbracht hat, war er nicht nur von Familie und Freunden getrennt, auch die Ostsee hat ihm in dieser Zeit gefehlt. Er liebt es mit dem Rennrad an der Küste entlang zu radeln, besonders auf der Halbinsel Fischland-Darß-Zingst.

In der niedersächsischen Stadt hat Tony Lassak ein Projekt bei einem Partner von Volkswagen betreut. Seit ein paar Monaten arbeitet der junge Mann nun bei Webasto, testet am Produktionsstandort Neubrandenburg die Software von Heizgeräten für Automobile. Die Kontakte zum Unternehmen hatte er bereits vor seinem Studium geknüpft. Zusammen mit seiner frischangetrauten Frau sucht Tony Lassak jetzt nach einem Haus auf dem Land.