Wilde Schaalseelandschaft

Leben

Detlef Mohr hat sich der nachhaltigen Landwirtschaft und dem schonenden Umgang mit der Natur verschrieben.
(Bild: Katharina Roese)

Text von Katharina Roese

Schaalsee (Bild: TMV/Frank Neumann)

Schon von Weitem sind sie zu hören, dann ergießen sie sich über die sanften Hügel – eine Herde aus weißen, grauen, schwarzen und rostroten Schafen. Vorweg geht Detlef Mohr, sein Hütehund treibt die Tiere an. Sie führen die Herde von einer Wiese zur nächsten, quer durch die Schaalsee-Region. „Mit den Tieren hier unterwegs zu sein, macht für mich den Reiz an meinem Beruf aus“, sagt der Schäfer aus Klein Salitz. „Die Region bietet so unterschiedliche Weideplätze: Flache oder hügelige Gebiete am See, Orchideenwiesen, moorige und sandige Landschaften.“ Die mehr als 1.000 Tiere der Schnucken-Schäferei-Schaalsee beweiden die Flächen naturschutzgerecht und sorgen dafür, dass sie nicht verwalden. „Der Erhalt dieser vielfältigen und geschützten Natur ist sehr wertvoll“, findet Detlef Mohr. Nicht nur der  Naturschutz ist ihm wichtig, er hat zudem eine Vorliebe für die Zucht alter Schafrassen. „Ich habe, neben dem klassischen weißen Schaf, Coburger Fuchsschafe, weiße Moorschnucken – eine der seltensten Schafrassen Deutschlands – und Pommersche Landschafe, eine alte Mecklenburger Rasse, die schon fast weg war.“ Die bunten Herden stehen rund um den Schaalsee und gelegentlich ist der Schäfer mit seinen Tieren in den Dörfern und auf den Landstraßen anzutreffen, dort ziehen sie, ganz ursprünglich, durch die Region.

Klaus Jarmatz blüht bei seiner Arbeit im 310 km² großen Biosphärenreservat auf.
(Bild: Katharina Roese)

„Das Besondere hier ist die relative Unberührtheit der Natur, das Ursprüngliche“, sagt auch Klaus Jarmatz. Er kennt die Schaalsee-Region wie kein Zweiter. Seit 1990 ist Jarmatz Leiter des Biosphärenreservates Schaalsee, eines von der UNESCO anerkannten Schutzgebiets. „Davon gibt es nur 16 in Deutschland“, erklärt er. „Teile der Wälder und Seen bleiben unberührt, hier wird modellhaft erprobt, wie ein Miteinander im gemeinsamen Interesse von Mensch und Natur, von Schutz und wirtschaftlicher Entwicklung gelingen kann“, sagt Klaus Jarmatz. Das Partnernetzwerk, zu dem auch Schäfer Detlef Mohr sowie mehr als 100 weitere Künstler, Handwerker und Geschäftsleute gehören, unterstützt diese Entwicklung. Es bietet zudem qualitativ hochwertige Kulturangebote, individuelle Unterkünfte und Einblicke in das Leben vor Ort.

Bereits in der Schule entdeckte Fabian Droste seine Begeisterung für das Schmiedehandwerk.
(Bild: Katharina Roese)

Wie bei Fabian Droste: Seit 1780 brennen die Feuer in der alten Schmiede in Neschow. Für einige Jahrzehnte waren sie erloschen. 2009 hat der Schmied und Metallgestalter sie wieder angefacht und seither erklingen erneut die Schläge des Hammers auf den Amboss. „Es ist nicht alles Schmiederomantik“, sagt der 36-Jährige und lacht. „Flexen, Sägen, Bohren und Schweißen gehören auch zu meinem Handwerk.“ Neben modernen Konstruktionen für Stahltreppen, Wintergärten und Hotellobbys fertigt er Tore, Geländer, Türbeschläge und Rosenbögen. Nicht nur das Fachwerkhaus und die alte Schmiede machen es für Fabian Droste besonders lebenswert in der Schaalsee-Region: „Die Menschen hier sind sehr offen und freundlich, es herrscht ein sehr persönlicher Austausch zwischen den Handwerkern und Künstlern. Und das Landleben ist eben auch Luxus.“ Wichtig für seinen Beruf ist zudem die gute Anbindung an Schwerin, Wismar, Lübeck und Hamburg. „Es ist ein idealer Ausgleich zwischen dem Landleben und den Möglichkeiten, die die Städte bieten“, findet der Schmied. Wenn die gute Auftragslage es zulässt, nimmt Droste sich Zeit für das Schmieden seiner Skulpturen. Auf der Wiese hinter dem Haus baut er einen Skulpturenpark auf und lädt Besucher der Region herzlich ein, einfach mal vorbeizuschauen.

Larissa und Steffen Busch erwarten ihr erstes Kind. (Bild: Katharina Roese)

Angebote wie die des Schmieds aus Neschow begeistern Larissa und Steffen Busch. Das junge Ehepaar aus Bayern zog es schon immer in den Norden. Als er erfuhr, dass in Zarrentin am Schaalsee eine Lehrerstelle ausgeschrieben war, bewarb sich Steffen Busch sofort. Und auch seine Frau fand schnell eine Anstellung als Lehrerin. „Ich fühle mich pudelwohl“, sagt Larissa Busch. „Die kulturellen Angebote und die Landschaft machen das Leben hier wirklich lebenswert.“ Ihr Mann stimmt zu: „Wenn man einen Blick für das Schöne, die Natur hat, dann ist es am Schaalsee einzigartig. Es hat etwas Entschleunigendes.“ Das Paar hat schnell Anschluss gefunden und fühlt sich nach vier Jahren längst heimisch. Larissa und Steffen Busch haben nun ein Haus gebaut und der Nachwuchs ist auf dem Weg. „Wir bleiben hier“, sind sie sich einig.