Jüdisches Leben fördern - Antisemitismus bekämpfen!
Jüdisches Leben und jüdische Kultur gehört zur Gesellschaft in Mecklenburg-Vorpommern. Vielfältige Maßnahmen und Angebote wirken im Land für jüdisches Leben und gegen Antisemitismus.
Landesaktionsplan gegen Antisemitismus in Mecklenburg-Vorpommern
Im November 2022 beauftragte der Landtag mit dem Antrag „Nie wieder! Aus der Geschichte lernen für die Zukunft“ die Landesregierung, Maßnahmen gegen Antisemitismus zu bündeln. Nach einem breiten Beteiligungsprozess wurde der Landesaktionsplan gegen Antisemitismus im November 2024 offiziell beschlossen.
Der Plan bietet eine umfassende Bestandsaufnahme zum jüdischen Leben im Land. Er umfasst bestehende sowie neue Maßnahmen zum Schutz jüdischer Mitbürger und zur Bekämpfung von Antisemitismus.
Besonders hervorzuhebende Maßnahmen und Angebote sind:
- die Fortbildungsreihe für Lehrkräfte „Antisemitismus die Stirn bieten!“,
- die verpflichtende Verankerung der Themen „Demokratiebildung und Antisemitismus“ in allen drei Phasen der Lehrkräftebildung,
- die Stärkung der Gedenkstättenfahrten,
- die Förderung jüdischer Kultur, etwa der Jüdischen Kulturtage Rostock, der Internationalen Tage jüdischer Musik auf Usedom und des Festivals „Verfemte Musik",
- die App „Stolpersteine Digital“ mit der Landeszentrale für politische Bildung,
- die Gründung eines Netzwerkes für jüdisches Leben in Mecklenburg-Vorpommern am 8. Oktober 2025 im Max-Samuel-Haus Rostock,
- das Bildungsprojekt „Meet a Jew“.

Schutz jüdischen Lebens in der Landesverfassung Mecklenburg-Vorpommern
Am 29. Januar 2025 hat der Landtag Mecklenburg-Vorpommern mit der erforderlichen Zweidrittelmehrheit beschlossen, den Schutz jüdischen Lebens in die Landesverfassung Mecklenburg-Vorpommern aufzunehmen. Artikel 18a lautet:
- Alles staatliche Handeln muss dem inneren und äußeren Frieden dienen und Bedingungen schaffen, unter denen gesellschaftliche Konflikte gewaltfrei gelöst werden können.
- Handlungen, die geeignet sind und in der Absicht vorgenommen werden, das friedliche Zusammenleben der Völker oder der Bürger Mecklenburg-Vorpommerns zu stören, und insbesondere darauf gerichtet sind, nationalsozialistisches, antisemitisches, rassistisches oder anderes extremistisches Gedankengut zu verbreiten, sind verfassungswidrig. Es ist die Verpflichtung aller staatlichen Gewalt und Verantwortung jeder und jedes Einzelnen, diesen entschieden entgegenzutreten.
- Im Bewusstsein der besonderen historischen Verantwortung Deutschlands schützt und fördert das Land Mecklenburg-Vorpommern das jüdische Leben und die jüdische Kultur.
Stolpersteine und Gedenksteine in Mecklenburg-Vorpommern
Stolpersteine sind das größte dezentrale Mahnmal in Erinnerung an die Verbrechen des Nationalsozialismus. Der Künstler Gunter Demnig begann in den 1990er Jahren mit quadratischen Messingtafeln an die individuellen Schicksale hinter den unvorstellbaren Gräueltaten zu erinnern. Mittlerweile wurden europaweit über 100.000 Steine am letzten frei gewählten Wohnort der jeweiligen Person verlegt, davon circa 90.000 in Deutschland.
In Mecklenburg-Vorpommern erinnern 641 Stolpersteine bzw. Stolperschwellen in 37 Orten (Stand: März 2026) an die Opfer des Nationalsozialismus: Jüdinnen und Juden, Sinti und Roma, Zeugen Jehovas, politisch Andersdenkende und weitere Verfolgte des Nazi-Regimes. In der Hansestadt Rostock und in Teterow erinnern Denksteine an vertriebene, deportierte und ermordete Jüdinnen und Juden.
Die Landeszentrale für politische Bildung Mecklenburg-Vorpommern hat in Kooperation mit dem Landesbeauftragten für politische Bildung in Schleswig-Holstein eine App präsentiert, die schrittweise alle Stolper- und Denksteine erfasst: Stolpersteine Digital. Ziel der Landeszentrale ist es, bis 2030 alle Stolpersteine inklusive der Biografien in die App zu integrieren.
Was die App besonders macht, ist ihre Fähigkeit, diese Denkmäler zu verknüpfen: mit den Biografien der Menschen, den historischen Kontexten und interaktiven Erlebnissen. Nutzerinnen und Nutzer der App können mit der Kamera ihres Mobiltelefons Stolpersteine scannen und so die Biografie des Menschen, an den dort erinnert wird, abrufen. Zudem enthält die App eine Gedenkfunktion: Mithilfe von Augmented Reality kann eine Kerze am Stolperstein platziert werden und mit einer Gedenkbotschaft und dem eigenen Namen ergänzt werden. Andere Nutzerinnen und Nutzer der App können diese Kerzen dann auf ihrem Mobiltelefon sehen. Die Kerzen verbleiben für einen Zeitraum von sieben Tagen in der virtuellen Realität.
Netzwerk „Jüdisches Leben in M-V: Gestern – Heute – Morgen.“
Am 8. Oktober 2025 hat sich das Netzwerk „Jüdisches Leben in M-V: Gestern – Heute – Morgen.“ gegründet. Dem Netzwerk gehören über 50 Einzelpersonen, Initiativen, Projektgruppen, Vereine und Institutionen an, die sich in vielfältiger Weise für das jüdische Leben in Mecklenburg-Vorpommern in der Geschichte, Gegenwart und Zukunft engagieren.
Das Netzwerk dient vor allem dem Erfahrungsaustausch und verfolgt das Ziel, Menschen miteinander zu verbinden, die sich beruflich oder ehrenamtlich mit jüdischer Geschichte, Kultur und Religion in Mecklenburg-Vorpommern beschäftigen und sich aktiv gegen Antisemitismus einsetzen. Es versteht sich als offenes Forum für alle, die sich für jüdisches Leben in Mecklenburg-Vorpommern und den Kampf gegen Antisemitismus engagieren.
Zweimal im Jahr findet ein Netzwerktreffen statt, , um aktuelle Projekte, mögliche Kooperationen und gemeinsame Fragestellungen zu diskutieren. Organisatorisch ist das Netzwerk beim Max-Samuel-Haus in Rostock angesiedelt. Interessenten an einer Mitarbeit im Netzwerk können sich unter info@max-samuel-haus.de anmelden.




